Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
789
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Zweihundert und fünfundzwanzigjle Nacht. 789

Vielleicht werde ich nicht immer so gesonnen sepn; jedenfalls aber wird es längereZeit bedürfen, um meine Ansicht zu ändern, und solange dies nicht geschehen ist, kannich deinen Wunsch unmöglich erfüllen, sollte mir auch aus meiner Weigerung Tod undVerderben erwachsen."

Der König war über die Antwort des Prinzen sehr betrübt. Er empfand einenwahrhaften Schmerz, bei ihm einen so großen Widerwillen gegen den Ehestand zufinden. Er wollte denselben gleichwohl nicht als Ungehorsam ansehen, noch von seinerväterlichen Gewalt Gebrauch machen, sondern begnügte sich, ihm zu sagen:Ich willdich nicht zwingen; ich gebe dir Zeit, darüber nachzudenken und zu erwägen, daß einPrinz, wie du, der zur Regierung eines großen Reiches bestimmt ist, vor allen Dingendarauf bedacht seyn muß, sich einen Nachfolger zu verschaffen. Indem du dir selberdiese Befriedigung gewährst, gewähr/t du sie zugleich mir, der ich mich freue, mich indeinen Kindern wieder aufleben zu sehen."

Mehr sagte Schah Sem an seinem Sohne nicht, weil er ihn zu sehr liebte, alsdaß er ihn hätte durch eindringlichere Vorstellungen noch mehr kränken oder aufreizenwollen. Er gestattete ihm Zutritt in die Versammlungen des Divans und suchte inallem Uebrigen seinen Wünschen so entgegenzukommen, daß er durchaus keinen Anlaßzum Mißbehagen oder zur Unzufriedenheit erhielt. Nach Vcrfluß eines ganzen Jahresließ er ihn wieder zu einer vertraulichen Unterredung unter vier Augen zu sich rufenund sagte zu ihm:Nun, mein Sohn, hast du dich meiner Absicht vom vergangenenJahre, dich zu Vermählen, erinnert und darüber nachgedacht? Willst du mir noch dieFreude versagen, die ich von deinem Gehorsam erwarte, und mich sterben lassen, ohnemeinen sehnlichsten Wunsch zu erfüllen?"

Der Prinz erschien weniger bestürzt, als das erste Mal; er ließ den Kopf einwenig sinken, erhob ihn aber sogleich wieder und antwortete seinem Vater mit freiemAnstand und in festem Tone folgendermaßen:Mein Herr und Vater! ich habe nichtermangelt, mit gebührendem Ernste darüber nachzudenken; aber je mehr ich überlegte,desto fester wurde mein Entschluß, unverheirathet zu bleiben. Denn, wenn ich diezahllosen Uebel betrachte, welche, wie ich in unfern Geschichtbüchern lese, die Weiberzu aller Zeit in der Welt verursacht haben, und hinzurechne was ich noch täglich vonihrer Arglist und Bosheit höre, so wird mir Jedermann zugeben müssen, daß ich alleUrsache habe, mein Leben lang keine Verbindung mit ihnen einzugehen. Ich habe mirMühe gegeben, ihr Wesen und Treiben kennen zu lernen, und würde als der größteThor erscheinen, wollte ich aus den leidigen Erfahrungen so vieler Anderen, welche vor