798 Zweihundert und fünsundzwanzi gjie Tlacht.
mir gelebt haben und neben mir leben, nicht wenigstens so viel Nutzen ziehen, daß ich >mich vor ihnen hütete. Unbegreiflich ist es mir, daß du, mein Vater, da du doch inso vielen Jahren gewiß auch manches Pröbchen von der Tücke der Weiber erlebt hast,mir so dringend anliegen magst, mich an eine Person von einem Geschlechte zu kette»,welches einer unserer Dichter mit de» Worten genugsam bezeichnet hat:
»Ihre Fingerspitzen sind gefärbt, ihre Haare gesalbt, ihr Tnrban hängt aufdie Seite, und Edelsteine funkeln an ihnen.
„Aber kannst dn den Blitz in einem Netze fangen oder Wasser in einemSiebe schöpfen?"
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Damit verließ Kamr essaman ungestüm seinen Vater, ohne eine Antwort vonihm abzuwarten.
Jeder andere Fürst, als der König Schah Sem an, würde bei der Kühnheit,mit welcher der Prinz, sein Sohn, zu ihm sprach, sich kaum enthalten haben, zu zürnenund es ihn bereuen zu lassen; aber er liebte ihn viel zu sehr und wollte erst alle Wege!der Güte versuchen, bevor er ihn zwänge. Er theilte seinem Großvezier den neuei^Verdruß mit, welchen Kamr essaman ihm verursachte, und sagte zu ihm: „Ich habedeinen Nath befolgt und ein ganzes Jahr lang zugesehen; aber Kamr essaman istjetzt noch weiter davon entfernt, sich zu verheirathen, als das erste Mal, da ich ihmden Vorschlag machte, und er hat sich in so kühnen Ausdrücken darüber erklärt, daß ichalle meine Vernunft und Mäßigung zusammennehmen mußte, um nicht in Zorn gegenihn zu gcrathen. Die Väter, die so inbrünstig um Kinder bitten, als ich um dieseshier gebeten habe, find allzumal thöricht und arbeiten nur darauf hin, sich selbst derRuhe zu berauben, während es doch nur von ihnen abhängt, im ungestörten Genüssederselben zu bleiben. Sage mir, ich bitte dich, was ist unter solchen Umständen zuthun, um einen so widerspenstigen Sohn meinem Willen fügsam zu machen?"
„Mein Herr und König!" antwortete der Vezier, „es gibt ein Sprichwort, welchesheißt: Geduld überwindet Alles; vielleicht ist dein Fall nicht von der Art, daß sichdie Wahrheit dieses Sprichwortes an ihm bestätigte; dennoch möchte ich dir rathen,dem Prinzen noch ein Jahr Frist zu geben, damit er sich eines Bessern besinne. Kehrter in dieser Zeit zu seiner Pflicht zurück, so wirst du die Beruhigung haben, dir keineUebereilung vorwerfen zu müssen und nur durch Güte zum Ziel deiner Wünsche gekommen