<Anicrl>»ndcrt und zmciuiidzwnnzigste Nacht. 773
befahl demselben, den Ohnmächtigen in's Gefängniß tragen und dort in das dunkelsteund tiefste Loch werfen zu lassen. Dabei schärfte er ihm ein, ihn so streng als möglich
zu behandeln und ihm nichts als Wasser und Brod zu geben.
Als Nureddin, ganz zerschlagen, wieder zu sich kam und sich in einem finstern
Kerker sah, stieß er ein klägliches Geschrei aus und beweinte sein unglückliches Schicksal.
„Ha, Fischer," rief er, „wie hast du. mich betrogen, und wie leichtgläubig bin ichgewesen! Konnte ich erwarten, daß ich einer so grausamen Behandlung entgegengehe,nachdem ich dir so viel Gutes gethan hatte? Gleichwohl segne dich der Himmel: ichkann nicht glauben, daß deine Absicht böse gewesen ist, und ich will Geduld haben bisan's Ende meiner Leiden."
Wie wenn diese edelmüthige Gesinnung Nureddins gegen denjenigen, welchener für seinen Feind hätte ansehcn können, auf der Stelle belohnt werden sollte, somachte der Gefangene gl^ am ersten Tag eine Erfahrung, der er sich in dem Kerkerund bei den Dienern seines rachesüchtigcn Verfolgers nicht versehen hatte. Katitnämlich, der Gefängnißwärter, nahm ihm nach wenigen Stunden die schweren Ketten jab, mit welchen er ihn auf Muins Geheiß hatte beladen müssen; er bereitete ihm aufeiner Bank ein gutes Lager von Teppichen und Polstern; er Aß ihm reichliche undgut zubereitete Kost zukommen und war überhaupt in allen Stücken äußerst milde undliebreich gegen ihn, obschon der Vezier täglich zu ihm schickte und ihm befahl, seinemGefangenen abzubrcchen, wo er könne, und ihm jeden Tag ein paar Mal die
Bastonade geben zu lassen.
So dauerte es vierzig Tage. Endlich am cinundvlerzigsten glaubte der Vezier mitseinem Vorhaben nicht länger zögern zu dürfen. Er war entschlossen, den verhaßtenNureddin schmählich um's Leben zu bringen, wagte es aber doch nicht aufseine eigene Gefahr. Der König selbst sollte das Todcsurtheil sprechen, damit die
Verantwortlichkeit nicht auf den Vezier zurückfiele. In dieser Absicht belud er mehrereseiner Sklaven mit reichen Geschenken und stellte sich an ihrer Spitze dem König dar.„Herr!" sprach er zu ihm mit schwarzer Bosheit, „hier sind Geschenke, welche derneue König dir sendet und dich bittet, sie zu Ehren seiner Thronbesteigung freundlichaufzunchmen."
Der König verstand, was Muin sagen wollte, und entgegnete: „Du erinnerstmich eben recht an den Betrüger. Wie kommt cs, daß der Elende noch lebt? Ichglaubte? du hättest ihn längst tödtcn lassen." — „Herr!" versetzte Muin, „cs steht mir
nicht zu, Jemanden das Leben zu nehmen; dieses Recht gebührt nur demjenigen, der auf