Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
770
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770 Zweihundert und zweiundzwuniigste Nacht.

Da die Diener den Chalifen in diesem Augenblick fertig angckleidcl hatten, stieger herab von seinem Thron und sagte zu ihm:Steh' ans, ich verzeihe dir." Hieraufwandte er sich zu der schönen Perserin, welche den Strom ihrer Thränen gehemmt undhoch aufgehorcht hatte, sobald sie vernommen, daß Garten und Saal dem Chalifengehöre und nicht Scheich Ibrahim, wie derselbe vorgegeben, und daß dieser Fürstes selber war, der sich als Fischer verkleidet hatte.Schöne Sklavin!" sagte er zu ihr,stehe auf und folge mir. Aus dem, was du eben gesehen hast, wirst du erkennen,wer ich bin, und daß es nicht meinem Range gemäß ist, von dem Geschenke, welchesNnreddin durch eine Großmuth ohne Gleichen mit deiner Person mir gemacht hat,Vorthcil zu ziehen. Ich habe ihn nach Bafsora geschickt, um dort König zu seyn, und ichwill dich als Königin eben dorthin senden, sobald ich die nöthigen Verfügungen zu seinerEinsetzung getroffen habe und ihm den Ehrenkaftan übcrmachen kann. Unterdessen willich dir eine Wohnung in meinem Palaste geben, wo du deiner Würdigkeit gemäßbehandelt werden sollst."

Diese Rede beruhigte und tröstete die schöne Perserin über die schmerzliche Trennung,und sie entschädigte sich für ihre vorherige Niedergeschlagenheit völlig durch die Freude,nun zu vernehmen, daß Nureddin, welchen sie leidenschaftlich liebte, zu einer so hohenWürde erhoben worden sey. Der Chalif erfüllte das ihr gegebene Versprechen: erempfahl sie selbst seiner Gemahlin Sob ei de, nachdem er sie von der Achtung inKenntniß gesetzt, welche er für Nureddin gefaßt hatte.

Nureddin vollendete inzwischen seine Rückkehr nach Bassora glücklicher undfrüher, als es für seine Wohlfahrt zu wünschen gewesen wäre. Er besuchte beilderAnkunft in seiner Vaterstadt weder Freunde noch Verwandte, sondern ging der Weisungdes Chalifen zufolge gerade nach dem königlichen Palaste, dessen Eingang von einergroßen Menge Gehörverlangender versperrt war. Er arbeitete sich durch das Gedränge,indem er den Brief mit der Hand emporhielt und laut rief, man solle ihm Platz machen.Als er endlich in den Audienzsaal gelangte, warf er sich an den Stufen des Thronesauf sein Angesicht nieder, zog dann seinen Brief hervor und überreichte denselben. DerKönig empfing ihn, öffnete ihn und küßte ihn dreimal, als er die Handschrift desChalifen erkannte und die obenan stehende Formel sah. Nachdem er aber den Inhaltdes Schreibens gelesen hatte, sank er zuerst bleich in seinen Stuhl zurück; dann erhober sich mühsam und schickte sich an, den Befehl des Chalifen zu erfüllen, indem er sagte:Ich gehorche Gott und dem Beherrscher der Gläubigen. Man rufe die vier Kadi derHauptstadt, auch alle Fürsten und Großen des Reichs, damit ich der Regierung entsage."