Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
767
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Zweihundert und einundzmunzigjle Nacht. 767

von dem Geschenke Sandra rs übrig batte; die schöne Perserin aber war untröstlichüber seine Abreise, drückte sich in eine Ecke des Divans und zerfloß in Thräncn.

Kaum hatte Nureddin den Saal verlassen, als Scheich Ibrahim, welcherbisher bei Allem, was vorging, den stummen Beobachter gemacht hatte, den Chalifenansah, den er noch immer sür den Fischer Ke rin hielt, und zu ihm sagte:Höre,Kerin, du bist hergekommen und hast uns etliche Fische gebracht, die höchstens zwanzigPara werth sind, und hast dafür schweres Geld und eine Sklavin zum Geschenkbekommen. Denkst du das Alles sür dich zu behalten? Mir hast du es zu verdanken,daß du überhaupt deine Fische hier verkauft hast: denn ich hätte das Recht gehabt, dichnicht nur nicht hereinzulassen, sondern auch aus dem Garten hinauszuprügeln oder garumzubringen. Zu der Sklavin vollends bist du gekommen, ohne zu wissen wie: hätteich nicht einen großmüthigen Gast bewirthet, nie in deinem Leben hätte cs dir, armerSchlucker, einfallen dürfen, eine Sklavin zu besitzen. Da also ich der erste und einzigeUrheber deines Glückes bin, so erkläre ich dir, daß ich als meine Belohnung dieSklavin für mich haben will. Was das Geld betrifft, so laß einmal sehen, wie vieles ist: ist es Silbergeld, so magst du ein Stück für dich behalten; ist es aber Gold, sonehme ich Alles und bezahle dir deine Fische mit so viel Kupfermünze, als sie unterBrüdern werth sind."

Auf diesen ungerechten und schmutzigen Vorschlag Scheich Ibrahims antworteteder vermeinte Fischer kühn:Scheich Ibrahim, ich kenne den Werth des Geldesnicht, das ich von deinem edeln Gast bekommen habe: denn ich habe in meinem ganzenLeben noch kein Goldstück in der Hand gehabt; sep's aber so viel oder so wenig, alses will, du sollst die Hälfte davon haben. Was die Sklavin betrifft, die will ich fürmich allein behalten. Ich denke, so sey es aller Ehre werth; willst du dich aber mitdem, was ich dir anbietc, nicht begnügen, so bekommst du gar nichts."

Scheich Ibrahim, von Zorn entbrannt über solche Unverschämtheit, wofür erdiese Rede eines Fischers gegen sich nahm, ergriff eines von den Porcellangefäßen undwarf es dem Chalifen nach dem Kopfe. Dieser hatte keine große Mühe, dem Wurfeines Betrunkenen auszuwcichen: die Schaale flog gegen die Wand und zerbrach intausend Stücke. Scheich Ibrahim, durck den Fehlwurf noch mehr erzürnt, alszuvor, nahm das auf dem Tische stehende Licht, taumelte von seinem Polster auf undstieg eine verborgene Treppe hinab, um einen Stock zu holen.

Diese Zeit benutzte der Chalif, um eine Verwandlung mit sich vorzunebmen, dieer schon vorbereitet hatte. Ehe er nämlich die gebratenen Fische in den Saal trug,