Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
766
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766 Zweihundert und einnndzwanzitzste Nacht.

Der Chalif hatte mit großer Aufmerksamkeit zugehört und fragte Nureddin:Und wohin willst du jetzt gehen?"Wohin ich gehen will?" antwortete er;wohinGott mich führt: seine Erde ist breit und weit."Willst du mir folgen," fupr derChalif fort,so gehe nicht weiter; du mußt im Gegcntheile nach Bassora zurückkehren.Ich will dir ein paar Zeilen an den König Muhammed, Suleimans Sohn,mitgeben; du wirst sehen, er wird dich gut aufnehmen, sobald er sie gelesen hat, undNiemand wird dir auch nur mit einem Worte zu nahe treten."

Kcrin," entgegnete Nureddin,was du mir da sagst, klingt sehr wunderbar:wo hat man je gehört, daß ein Fischer, wie du, mit einem König in Briefwechselsteht?"Das darf dich nicht verwundern," erwiderte der Chalif:wir sindzusammen bei demselben Lehrmeister in die Schule gegangen und immer die bestenFreunde von der Welt gewesen. Zwar hat das Glück uns nicht auf gleiche Weisebegünstigt: es hat ihn zum König und mich zum Fischer gemacht; aber diese Ungleichheithat unsere Freundschaft nicht vermindert. Er hat sich alle erdenkliche Mühe gegeben,mich aus meinem Stand empor zu ziehen; ich aber habe mich immer damit begnügt,die Achtung, welche er für mich hat, mir nichts abzuschlagen, zu Gunsten meinerFreunde zu benutzen. Darum laß mich nur machen: du wirst den Erfolg davonsehen."

Nureddin ließ sich den Vorschlag des Chalifen gefallen. Da alles zum SchreibenNothwendige in der Nähe war, so schrieb der Chalif an den König von Bassora einenBrief, über welchen er die gewöhnliche Formel setzte:Im Namen des allbarmherzigenGottes!" um dadurch anzudeuten, daß er unbedingten Gehorsam fordere. Der Inhaltdes Briefes selbst aber lautete folgendermaßen:

Harun Arraschid, Muhdi's Sohn, sendet diesen Brief an Muhammed,Suleimans Sohn. Sobald Nureddin Ali, des Veziers Badhladdin Sohn, diesmein eigenhändiges Schreiben dir übergeben und du es gelesen hast, lege auf der Stelleden königlichen Mantel ab, bekleide den Ueberbringer damit und räume ihm deineStelle ein. Ich versehe mich'deines Gehorsams gegen diesen meinen ausdrücklichenWillen. Gott befohlen!"

Der Chalif faltete und verschloß den Brief, ohne Nureddin etwas von demInhalte mitzutheilen. Dann übergab er ihm denselben und sprach zu ihm:Nimm undgeh' unverzüglich hin und besteig' ein Boot, das bald abgehen wird, so wie alle Tageeins zu derselben Stunde abgeht; schlafen kannst du ja auf dem Schiffe." Nureddinnahm den Brief und machte sich mit dem wenigen Gelde auf den Weg, das er noch