Zweihundert und einundzwanzigfte Nacht. 765
Gefallen thun. Er fragte den Chalifen, ob er die Erzählung in ungebundener Redeoder in Versen hören wolle, und als derselbe das Letztere der Kürze wegen vorzog,sprach er mit gesenktem Haupte:
„Mein Theurer! mich flieht der Schlaf, und mein Gram nimmt mit jedemTage z», weil ich von der Heimath ferne bin.
„Ich hatte einen Vater, dessen Liebling ich war; da schied er von mir undnahm das dunkle Grab zur Wohnung.
„Seitdem ist mir Vieles widerfahren, das mein Herz verwundet und meinInneres zerrissen hat.
„Er hatte das feinste Mädchen mir gelaust, dessen Wuchs die schlankstePalme beschämte.
„Da verlor ich Alles, was ich mit ihr besaß: denn ich war freigebig undkannte in der Großmuth keine Grenzen.
„Als die Noth zu groß ward, führte ich das Letzte, was mir übrig blieb,mit widerstrebendem Herzen auf de» Markt.
„Ein Ausrufer bot Äe Sklavm aus, und ein mchtswürdiger Alter steigertefie: da entbrannte mein Zorn, und ich riß das Mädchen zurück.
„Der graue Schurke gerieth in Wnth, und aus den Zügen seines Gesichtessprach das Grab.
„Aber ich vertheidigte mein Recht und meine Ehre mit beiden Händen, bisich meinem Herzen Lust gemacht hatte.
„Voll Besorgniß wegen der Folgen dieser Thal kam ich in mein Haus zurückund murrte über mein böses Schicksal.
„Da befahl der König des Landes, mich zu greifen; aber ein ehrlicherThürstehcr gab mir einen Wink und hieß mich in die Ferne ziehen, weit weg,um den bösen Menschen zu entgehen.
„So flohen wir unter dem Flügel der Nacht von der Heimath, um unsnach Bagdad zu begeben.
„Ich habe nichts mehr, als was ich dir, o Fischer, gegeben: dir schenke ichdie Geliebte meines Herzens, und es ist mir, als schenke ich dir mein Herz."
Als Nureddin geendigt hatte, bezeugte der Chalif sein Erstaunen über diewunderbaren Begebenheiten und sein Verlangen, auch die näheren Umstände von demzu erfahren, was er so eben in der Kürze gehört hatte. Nureddin willfahrte ihmund verschwieg nichts von Allem, was er gcthan, und was ihm begegnet war bis zuseiner Ankunft in Bagdad und bis zu dem Augenblick, da er mit ihm sprach.