Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
764
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76 -t- Zweihundert und einundzwanzigstc Macht.

Bist du auch fern von mir, so ist doch dein Platz in meinem Herze», dasganz von dir erfüllt ist.

Ich hoffe zu dem Vater der Barmherzigkeit, daß er uns wieder vereinigenwird: dies erflehe ich als eine Gnade von Gott, der sic gewähre» kann, wenner will."

Als sie damit zu Ende war, legte sie die Laute neben sich hin und hielt ihr Tuchvor die Augen, um die Thränen zu verbergen, die sie nicht zuriickhaltcn konnte.Nureddin aber nahm die Laute und antwortete ihr nach einem kurzen Vorspiel mitfolgenden Strophen:

Am Trcnuuugstage hat sic mit weinenden Augen von mir Abschiedgenommen und mich gefragt, was ich nach ihrer Entfernung thun werde?

Da Hab' ich geantwortet: Frage dies den, der noch am Leben bleibt!"

Hierauf schwiegen sie Beide, das Angesicht von einander abgewaudt: denn auchNureddin vermochte kaum den Schmerz der Trennung niederzukämpfcn, und doch wardas Wort seinen Lippen entflohen, zu dessen Zurücknahme ihn nichts auf der Welt hättebewegen können.

Aber der Chalif, voll Verwunderung über das, was er hörte, und von Mitleidgegen die Beiden ergriffen, wendete sich zu Nureddin und sagte zu ihm:Herr! einunglücklicher Stern scheint über deinem Schicksal zu walten: sonst wäre mir deinBenehmen allzu räthselhaft und unbegreiflich. So wie ich sehe, ist dieses so schöne, soseltene, so bewundernswürdige Mädchen, das ' du mir mit solcher Großmuth zumGeschenke gemacht hast, deine Sklavin, und du bist ihr Herr?"So ist es, Fischer!"erwiderte Nureddin,und du würdest noch weit mehr erstaunt seyn, als du es jetztscheinest, wenn ich dir alle die Unglücksfälle erzählte, welche mir- in Betreff ihrerbegegnet sind. Es wäre wohl der Mühe Werth, sie Jedem zur Warnung und Belehrungmit der Nadel in die Tiefe des Auges zu stechen."O, ich bitte dich, Herr!"versetzte der Chalif, immer sehr gut die Rolle des Fischers spielend,erzeige mir denGefallen und erzähle mir deine Geschichte. Ich bin zwar nur ein armer Fischer; aberes wird doch dein Herz erleichtern. Und wer weiß, zu was es gut ist: denn GottesHülfe ist überall nahe."

Nureddin, der ihm eben schon etwas von viel größerer Bedeutung gewährthatte, obwohl er ihn nur für einen Fischer hielt, wollte ihm auch gern noch diesen