Zweihundert und einnndzwanzrgste Aachl 763
„Schöne Anis Aldjalis!" sagte sogleich Nureddin, indem er sich zu ihrwandte, „ich bitte dich um diese Gunst im Namen des ehrlichen Mannes hier, dem du. sie nicht versagen wirst."
Als Anis Aldjalis die Worte ihres Herrn vernahm, ergriff sie die Laute, undnachdem sie dieselbe gestimmt hatte, spielte und sang sie ein Lied mit solcher Kraftund Anmuth, daß der Chalif wieder ganz bezaubert wurde. Das Lied war folgendenInhalts:
»Sie ergreift die Laute, ihre Finger gleiten durch die Saiten hin, undjeder Ton reißt die Seele mit sich fort.
»Sie singt, und ihre Stimme heilt die Tauben; ja, sic kann sich rühmen:
Auch de» Taubstummen bereite ich hohen Genuß."
Nach einem wundervollen Zwischenspiele fuhr die reizende Sängerin fort:
»Wir werden geehrt, wenn ihr in unserem Land euch nicdcrlasset: soi» Dustist Ambra, und sein Staub leuchtet.
„Betretet ihr meine Wohnung, so ziemt sich'S, daß ich mit Moschus, Rosenölund Kampher sie versehe."
Als die schöne Perserin geendet hatte, rief der Chalif mit dem größten Feuer aus:„Welche Stimme, welche Hand und welches Spiel! Kann man schöner singen, besserdie Laute spielen! Nimmer hat man etwas Aehnliches gesehen oder gehört!"
Nureddin, gewohnt, Alles, was er besaß, denjenigen zu schenken, die es lobten,erwiderte: „Fischer, ich sehe wohl, daß du ein Kenner bist: da sie dir so sehr gefällt,so ist sie dein; ich mache dir ein Ehrengeschenk damit, das du nicht zuriickweisen darfst."Zu gleicher Zeit stand er auf, nahm seinen Rock, den er abgelegt hatte, und wollteWeggehen, um den Chalifen, den er immer nur für einen Fischer hielt, im Besitze derSklavin zu lassen. .
Anis Aldjalis, höchst erstaunt über Nureddins Freigebigkeit, hielt ihn zurückund sagte zu ihm, indem.sie ihn zärtlich anblickte: „Herr, wo willst du hin? Und willstdu ohne Abschied von mir gehen? Wenn ich durchaus dich verlassen muß, so gestattemir wenigstens, dir Lebewohl zu sagen. Ich bitte dich, setze dich wieder auf deinenPlatz und höre, was ich dir spielen und singen will."
Nureddin that, was sie verlangte; und nun rührte sic die Sailen, und mitThränen in den Augen gegen ihn gewendet-, sang sie dazu folgende, aus dem Stegreifvon ihr gedichtete Verse: