Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
759
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«Zweihundert und eruundzwanzigste Nacht. 759

auf und fürchte nichts, Kerin! Zieh' nur dein Netz heraus, damit ich sehe, was fürFische darin sind."

Der Fischer wurde durch diese milden Worte des Chalifen beruhigt und stand auf.

Dann zog er sein Netz aus dem Wasser und fand fünf oder sechs schöne Fische von

verschiedenen Arten darin. Der Chalif freute sich sehr darüber und ließ sie mit einerRuthe bei den Kiefern zusammenbinden. Hierauf sagte er zu dem Fischer:Kerin,zieh' deine Kleider aus!"

Der Fischer gehorchte augenblicklich und zog seinen Rock aus, welcher mehr alshundertmal mit grober Wolle geflickt war, und in dessen Falten es nicht ganz geheuerseyn mochte. Dann nahm er von seinem Haupt eine Binde, die in drei Jahren nicht

aufgemacht worden war, und auf der er Alles, was er seit dieser Zeit getragen, sitzen

gehabt hatte. Nachdem er dies gethan, warf der Chalif seinen Mantel ab, zog zweiseidene Kleider von Alerandrinischer und Baalbekischer Arbeit aus, nahm den feinenKaschmir-Turban von seinem Haupte und sagte zu dem Fischer:Nimm diese Kleiderund zieh' sie an!"

Nach einigem Zögern gehorchte der Fischer, welcher nicht wußte, was er aus derSache machen sollte. Noch mehr erstaunte er, als er sah, daß der Chalif seinenRock und seine Binde anlegte. Dieser aber lächelte über die Verwunderung Kerins,klopfte ihm auf die Schulter und sagte:Nimm jetzt dein Geräthe und geh' deinerArbeit nach."

Der Fischer fiel vor dem Chalifen nieder, küßte ihm die Füße und dankte ihm mitfolgenden Strophen:

Du hast mir eine Gnade erzeigt, die würdig ist, aller Welt bekannt zuwerden: du hast mich auf Einmal mit Allem versehen.

Ich werde dir danken, solang ich lebe, und nach meinem Tode werdenmeine Gebeine im Grabe dich preisen."

Der Fischer hatte noch nicht ausgesprochen, als der Chalif mit beiden Händennach seinem Halse fuhr.Wehe dir, Fischer!" rief er aus;es juckt und beißt mich,als wenn Skorpionen in diesem Kleide wären!"Mein Herr!" antwortete Kerin,das fühlst du nur jetzt; ehe eine Woche vergeht, wirst du nicht mehr daran denken."So?" versetzte der Chalif lächelnd;meinst du, ich werde deinen Rock so lang aufdem Leibe behalten?" Da sprach der Fischer mit verschlagener Miene:Ist es mirvergönnt, Herr, dir ein Wort im Vertrauen zu sagen?" Nachdem ibn der Chalif reden