Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
753
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«Zweihundert und zwanzigste Nacht. 753

weisen und gesetzten Mann gehalten hatte, wie er ihm bisher vvrgekommen war. So sehrihn der Anblick der beiden jungen Leute, die in ihrer Schönheit Fülle und Glanz wiezwei Monde neben einander erschienen, ergötzt hatte, so übel stimmte ihn ScheichIbrahims Zustand und Benehmen, und die schmerzliche Enttäuschung über denCharakter dieses Mannes trieb die Wolke des Zornes wieder auf die Stirne desChalifen. Er stieg so eilig, .als es die nöthige Vorsicht erlaubte, von seinem Baumeherab und ging ans den Großvezier zu, der nicht recht wußte, ob die Schweißtropfenzwischen Len Augenbrauen seines Herrn von der Anstrengung des Klcttcrns oder vondem Verdruß über die gemachten Beobachtungen hcrrührten.Noch nie," sprach HarunArraschid,habe ich gottesfürchtige Leute in einem solchen Zustand gesehen. Steigedu auf den Baum, Djafar, und sich', ob die da drinnen Imams der Moschee sind,wie du mir hast eiubilden wollen. Auf, geschwind, damit dir der Segen dieser Frommennicht entgehe!,,

Aus dem Tone, mit welchem der Chalif diese Worte sprach, erkannte der Grvßveziergar wohl, daß die Sache übel für ihn ablausen würde. Mit beklommenem Herzen stieger hinaus und zitterte vor Angst für sich selber, als er die zwei Fremden nnd ScheichIbrahim mit der Schale in der Hand erblickte. Er konnte cs nicht lange aushaltcnund kletterte mühsam zurück, stets von dem Gedanken gequält, wie es ihm nun ergehenwürde. Ganz verwirrt kam er wieder zu dem Chalifen und wußte nicht, was er ihmsagen sollte. Da sprach Harun Arraschid:Gelobt sep Gott, der uns hinter dieseGeschichte kommen ließ!" Djafar schwieg noch immer und konnte vor Scham undVerlegenheit kein Wort hervorbringcn.Welche Unordnung," fuhr der Ehalis fort,daß Leute, mir nichts dir nichts, in meinen Garten und Saal kommen und sich darinerlustigen, als ob er ihr Eigenthum wäre! Und der alte scheinheilige Ibrahim läßt sieherein, duldet sie und macht selbst mit! Das sind mir saubere Imams mit denWcinschalcn in der Hand! Bei all' dem glaube ich kaum, daß man ein schöneres undstattlicheres junges Paar sehen kann. Bevor ich meinen Zorn ausbrechcn lasse, will ichmich noch näher unterrichten und wissen, wer sie sind und welcher Anlaß sie hieherführt."

Djafar, der jede Gelegenheit begierig ergriff, um den Zorn des Chalifen vonseinem eigenen Haupte abzulenken und Zeit zu gewinnen, erwiderte:Du hast Recht,großer Sultan! Es verlohnt sich schon der Mühe, dem Zusammenhang der Sache aufden Grund zu kommen."Komm'," sagte Harun Arraschid,wir wollen nocheinmal mit einander auf den Baum steigen, um zu sehen, was sie machen.

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