Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
749
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Zweihundert und neunzehnte Uacht. 749

weil ich von deiner Großmuth zum Voraus überzeugt war, daß du die Bitte dem altentreuen Diener nicht abschlagen würdest. Um dieser Nachlässigkeit willen bitte ich dichtausendmal um Verzeihung. Der Fehler ist mein, und Scheich Ibrahim hat keineSchuld. Wahrscheinlich hat er, weil er von mir keine andere Weisung erhielt, denheutigen Tag zu der Feierlichkeit gewählt, und da er einmal die Imams seiner Moscheein dem Saale versammelt und bewirthet hatte, glaubte er es ihrer Würde und derBedeutung des Festes schuldig zu seyn, ihnen das Vergnügen dieser Beleuchtung nichtvorzuenthalten."

Djafar," erwiderte der Chalif mit einem Tone, der anzeigte, daß er ein wenigbesänftigt war,zuerst glaubte ich dich nur eines Fehlers schuldig; nach dem aber,was du mir so eben gesagt, hast du drei unverzeihliche Fehler begangen. Erstens, daßdu dem Scheich Ibrahim die Erlaubniß gegeben hast, diese Feier in meinem Saaleanzustellen: ein bloßer Aufseher ist kein so bedeutender Beamter, daß ihm eine solcheEhre gebührte. Zweitens, daß du mir nichts davon gesagt hast: denn, wenn ich aucheine Freude daran finde, Großmuth zu üben, so sollte dir doch das Ansehen deinesHerrn so sehr am Herzen liegen, daß du nicht auf deine Faust hin Begünstigungenertheilst, die er wohlweislich seinem eigenen Ermessen Vorbehalten hat. Dein dritterund größter Fehler aber ist, daß du nicht die wahre Absicht des guten Alten errathenhast: denn ich bin überzeugt, daß er keine andere gehabt hat, als zu sehen, ob er nichtein Gnadengeschenk als Beisteuer zu den Kosten dieses Festes erlangen könnte. Dashast du nicht bedacht, und ich kann es ihm daher nicht so übel nehmen, wenn er sichdurch den größeren Aufwand dieser Beleuchtung dafür schadlos zu halten sucht, daß ernichts bekommen hat."

Der Großvezier war froh, daß der Chalif die Sache auf diese Weise nahm; erbekannte sich gern zu den Fehlern, welche der Chalif ihm vorwarf, und bezeigteaufrichtiges Leidwesen darüber, daß er Scheich Ibrahim so übel verstanden und ihmnicht etliche Dinar gegeben habe.

Es ist nun schon einmal so," fuhr der Chalif fort;ungeachtet du aber deinUnrecht eiusiehst und gestehst, däucht es mir doch billig,, daß du dafür bestraft werdest.Es wird sich deinem Gedächtnisse um so tiefer einprägen, und du wirst dich für dieZukunft mehr in Acht nehmen, im Namen des Beherrschers der Gläubigen Gnadenauszutheilen, von denen er nichts weiß und erfährt. Doch sey ruhig: die Strafe sollnur leicht seyn. Ich habe nämlich Lust, den Rest der Nacht in Gesellschaft jener gutenLeute zuzubringen, welche Scheich Ibrahim versammelt hat. Ich hoffe, Niemand