7-48 Iw c ih und ert und neunzehnte Nacht.
Bagdad wegnehmen, ohne mir ein Wort davon zu sagen?" — „Wie soll ich deineWorte erklären?" versetzte Djafar. „Bei Gott! ich weiß nicht, was du sagen willst.Die Stadt liegt in größter Ruhe zu deinen Füßen, und wir sind vielleicht die Einzigendarin, welche nicht schlafen." — „Das ist noch ein Glück," erwiderte der Chalif höchstaufgebracht, „daß ich wache, wenn Andere schlafen! Komm', nachlässiger Vezier, tritther und sieh'! Hättest du mir nicht die Stadt Bagdad nehmen lassen, so wäre derGemäldesaal zu dieser Stunde nicht erleuchtet, ohne daß ich dort bin. Wehe dir! werwürde es wagen, auch nur eine einzige Kerze darin anzuzünden, wenn du mir nichtdas Chalifat entrissen hättest?"
Der Großvezicr zitterte bei dieser Neuigkeit schon vor Furcht, daß dem so sepnkönnte. Aber er zitterte noch heftiger, als er sich dem Fenster näherte und, in derRichtung gegen den Garten hin dem weisenden Finger des erzürnten Chalifen mit denAugen folgend, sah, daß es wirklich so war, wie dieser gesagt hatte. Der Saalleuchtete wie eine Feucrflamme, die mitten in der Dunkelheit brennt.
Djafar kannte die Gcmüthsart seines Herrn und wußte, daß er diese Nacht keineRuhe bekommen würde, wenn er ihn nicht auf eine listige Weise durch einen Vorwandbesänftigte. Ungeachtet er daher ganz unwissend bei der Sache war und irgend einenMißverstand oder eine Nachlässigkeit von Seiten des Gartenaufsehers als Ursachevermuthete, so hielt er es doch für gerathener, zu thun, als ob er etwas von demVorgänge wüßte, und einen Theil der Schuld auf sich zu nehmen, damit nicht derganze Zorn des Chalifen über Scheich Ibrahim ausbräche. Nachdem er, währendsie Beide am Fenster standen und nach dem Saale hinübersahen, Zeit gefunden hatte,etwas zu erdichten, womit er den Chalifen beruhigen zu können glaubte, begann eralso zu sprechen: „Beherrscher der Gläubigen! Ich kann dir nichts Anderes hierübersagen, als daß vor vier oder fünf Tagen Scheich Ibrahim sich bei mir anmeldenließ. Nachdem er eingetreten war, bezeigte er mir seine Absicht, eine Versammlung derImams seiner Moschee zu veranstalten zur Feier der Beschneidung seiner Kinder, welcheer sich freute unter deiner glücklichen Regierung zu begehen. Ich fragte ihn: Und waswünschest du, daß ich meinerseits bei dieser Veranlassung für dich thun soll? worauf ermich bat: Wirke mir von dem Chalifen die Erlaubniß aus, die Versammlung und dieFeier in dem Gartensaale anstellen zu dürfen. Ich entließ ihn mit dem Bescheide, daßich bei der nächsten Gelegenheit mit dir über die Sache sprechen werde, und daß er,wenn er keinen Gegenbefehl erhielte, die Feier nach seinem Wunsche veranstalten solle.Nun ist es mir aber ganz aus dem Gedächtnisse gekommen, deine Erlaubniß einzuholcn,