Kwel>>undert »nd ncunzchiite Nacht. 7^7
Ohne sich daran zu kehren, was Scheich Ibrahim gesagt hatte, zündeteNureddin die Kronleuchter alle an, welche vor deu achtzig Fenstern des SaaleShingen, so daß auch die ganze Umgebung desselben hell erleuchtet war.
Erst jetzt sah sich Scheich Ibrahim um und war fast sprachlos vor Ueberraschung,als er die Helle gewahrte. „Ihr seyd sehr kühn!" brummte er mit unwilligem
Kopfschütteln halblaut in seinen Bart und wollte von seinem Polster aufspringen. Dochbald verschwand seine Angst, als er bedachte, daß es schon ziemlich spät in der Nachtsey und Niemand mehr wachen werde, der ihn wegen seiner Unvorsichtigkeit zur
Rechenschaft ziehen könnte. Zugleich war er vom Wein so erhitzt, daß er sich über diemögliche» Folgen hinwegsetzte und sich selbst darüber freute, die heitere Stimmung seiner iGäste durch die Beleuchtung noch erhöht zu sehen. Blickte er vollends auf die lächelnde ^Miene und in die blitzenden Augen seiner schönen Tischnachbarin, so konnte er unmöglich iumhin, der Sache den Lauf zu lassen; ja, er stand selber auf und öffnete mit eigenen
Händen die Fenster des Saales, welcher nun in all der Pracht und Helle dastand, wie
an den Abenden, welche der Chalif daselbst zuzubringen pflegte. —
Nun hatte der allmächtige Gott, in dessen Hand auch der geringfügigste Umstandbedeutungsvolle Ursache großer Dinge wird, gewollt, daß sich der Chalif HarunArraschid um diese Zeit noch nicht zu Bette begebe» hatte; crZbefand sich iu einemSaale seines Palastes, der an den Tigris stieß und die Aussicht nach dem Garten unddem Gemäldesaal hatte. Zufällig öffnete er, um die frische Abendluft und den klaren
Mondschein zu genießen, ein Fenster nach dieser Seite hin. Aber wie groß war seinErstaunen, als er die Wellen des Stromes von einer Helle widerstrahlen sah, welcheunmöglich die Wirkung des Mondlichtes allein seyn konnte! Sei» erster Gedanke warder Ausbruch einer Feuersbrunst in der Stadt; wie er aber das Haupt erhob und denBlick weiter hinaus richtete, wollte er beinahe seinen Augen nicht trauen. Er fuhr mitder Hand über's Gesicht, um sich zu überzeugen, ob er nicht träume; aber nein! cs warwirklich so, der Gemäldesaal war hell erleuchtet, und der Garten und die ganzeUmgegend schimmerte von dem Lichte der Kerzen und Kronleuchter.
Ganz außer Stande, sich diese ungewöhnliche Erscheinung auf irgend eine Weisegenügend zu erklären, kam der Chalif auf die abenteuerlichsten Vermuthungen, welcheihn dergestalt verwirrten, daß er seinen Großvezier, den Barmckidcn Djafar, rufenließ. Dieser war noch in der Nähe und erwartete mit Sehnsucht den Augenblick, daßder Chalif zur Ruhe ginge, um sich nach Hause zu begeben. Als er eintrat, rief ihmder Beherrscher der Gläubigen zu: „Bist du auch ein Vezier? Leistest mir die Stadt