Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
746
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soll uns schon noch Spaß machen." Dann füllte sie eine Schale und reichte sie Nureddindar; er trank, schenkte wieder voll und reichte der schönen Perserin zu trinken, und sowechselten sie mit einander ab.

Scheich Ibrahim sah diesem Spiel eine Weile aufmerksam zu; wie es ihm aberzu lang dauerte und er immer wieder übergangen wurde, nahm er eine Schale undhielt sie hin, indem er sagte:Was ist das für eine Gesellschaft? Soll ich nicht ebenso gut trinken, als ihr?"

Bei diesen Worten Scheich Ibrahims brachen Nureddin und die schonePerserin in ein lautes Lachen aus. Nureddin schenkte ihm ein, und sic fuhren fortzu scherzen, zu lachen und zu trinken bis gegen Mitternacht. Nm diese Zeit ungefährbemerkte die schöne Perserin, daß auf dem Tische nur eine einzige Kerze brannte, nämlichdiejenige, welche Scheich Ibrahim aus seiner Wohnung mitgebracht hatte, als erihnen den Saal aufschloß. Die allgemeine Heiterkeit hatte den Wunsch in ihr regegemacht, das Gemach, worin sie so fröhlich beisammen waren, auch besser erleuchtet zusehen.Scheich Ibrahim," sagte sic zu dem guten alten Aufseher,du hast unsnur ein Licht gebracht, und da sind so viele schöne Wachskerzen! Wo es vergnügtzugeht, muß es auch hell seyn. Ich bitte dich, mach' uns die Freude, die Kerzenanzuziinden, damit wir die Herrlichkeit, in der wir uns befinden, auch besser sehen."

Scheich Ibrahim bediente sich der Freiheit, welche der Wein gibt, wenn er

zu Kopfe steigt, und um nicht in einer Erzählung unterbrochen zu werden, womit er

eben Nureddin unterhielt, sagte er zu der schönen Perserin:Ei, wenn du es Hellerhaben willst, so zünde selber an: es geziemt sich auch viel besser für dich, da du nochso jung bist; aber beileibe nicht mehr, als zwei oder drei. Das ist genug, und ichhabe meine Gründe." Die schöne Perserin erhob sich, nahm eine Kerze, steckte sie a»dem Lichte, das auf dem Tische stand, in Brand, fing bei dem ersten Wandleuchter anund fuhr fort bis zum letzten, so daß der Saal von allen achtzig Wachskerzen erleuchtetwar, ehe Scheich Ibrahim Zeit fand, sich darnach umzusehen.

Eine Weile darauf, während Scheich Ibrahim mit Anis Aldjalis im

Gespräche war, bat ihn Nureddin, auch einige Kronleuchter anstecken zu lassen.

Scheich Ibrahim war so vertieft in die Unterhaltung mit seiner reizenden Nachbarin,daß er auch jetzt noch nicht aufmerksam wurde, sondern, unwillig über die abermaligeStörung, herausfuhr:Du mußt wohl sehr träge sepn und wenig Rücksicht für das Alterhaben, daß du von mir verlangst, ich solle die Kronleuchter anzünden. Geh', thu' csselber, aber ja nicht mehr, als zwei oder drei: es würde mir Unannehmlichkeiten verursachen."