744 Zweihundert und neunzehnte Nacht.
nicht auf unsere Gesundheit trinken willst," sagte Nureddin, „so wirst du dochvergönnen, daß ich aus die deinige trinke." Damit setzte er die Schale an den Mund,und während er trank, durchschnitt die schöne Perserin einen Apsel und bot die eineHälfte dem Scheich Ibrahim dar, indem sie zu ihm sagte: „Du hast nicht trinkenwollen; aber ich glaube nicht, daß du ebensoviel Schwierigkeit machen wirst, von diesem ^Apfel zu kosten, der vortrefflich ist." Scheich Ibrahim wußte nicht, wie ihm zuMuth wurde, als ihm die schöne Perserin mit freundlichem Lächeln so zusprach; unmöglichkonnte er es einer so schönen Hand abschlagen; er nahm mit einer Verneigung desHauptes den Apsel und führte ihn zum Munde. Sie sagte ihm darüber einigeSchmeicheleien, während Nureddin sich über den Divan zurücklehnte und that, alswenn er, vom Wein übermannt, einschliefe. Sogleich rückte die schöne Perserin näherzu Scheich Ibrahim und sagte leise zu ihm: „Siehst du ihn? So macht Lr es jedesMal, wenn wir uns zusammen erlustigen: kaum hat er zwei Züge getrunken, so schläfter und läßt mich allein. Aber ich glaube, du wirst mir gern Gesellschaft leisten,während er schläft." — „Bei Gott!" erwiderte Scheich Ibrahim, „das ist nichtschön von ihm. Ich bedaure dich von Herzen und werde mich glücklich schätzen, wenndu mit meiner Unterhaltung vorlieb nehmen willst."
Anis Aldjalis nahm eine Schale, füllte sie mit Wein und bot sie ScheichIbrahim, indem sie ihn bedeutungsvoll ansah und zu ihm sagte: „Nimm und trink'auf meine Gesundheit; ich will dir Bescheid thun." Scheich Ibrahim machte nochgroße Schwierigkeiten und bat sie sehr dringend, es ihm zu erlassen; sie setzte ihm aberso lebhaft zu, daß er, überwunden von ihren Reizen und Zureden, die Schale nahmund rein austrank.
Der gute Alte liebte wohl ein Schlückchen; allein er scheute sich, es vor Leuten zuthun, die er nicht kannte. Er ging heimlich, wie so viele Andere, in die Schenke undhatte keineswegs die Vorsicht gebraucht, die ihn Nureddin zum Einkäufe des Weinesgelehrt hatte. Er hatte ihn ohne Umstände bei einem Wirthe geholt, wo er wohlbekannt war; die Nacht hatte ihm zum Deckmantel gedient, und überdieß war ihm aufdiese Weise das Geld in der Tasche geblieben, das er demjenigen hätte geben müssen,dem er nach Nureddins Anleitung den Auftrag zum Einkäufe geben sollte.
Während Scheich Ibrahim, nachdem er getrunken hatte, die Hälfte des Apfelsaufaß, goß ihm die schöne Perserin eine andere Schale voll Weins, hielt sie gegen dasLicht und sagte: „Sieh', wie er blinkt und zum Genüsse ladet! Einmal ist keinmal: dumußt auch diese Schale auf meine Gesundheit leeren." Scheich Ibrahim machte