Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
739
Einzelbild herunterladen
 

Zweihundert und achtzehnte Nacht. 7!!9

bezahlt hat, das du ihm dazu mitgeben mußt. Dann darfst du nur den Esel wiedervor dir Hertreiben bis zu uns, und wir wollen schon selber die Krüge aus den Körbennehmen. Auf diese Weise hast du den Wein weder gekeltert, noch gekauft, nochgetragen, kurz, nichts gethan, was dir die geringste Bedenklichkeit erregen könnte."

Die beiden neuen Goldstücke, die Scheich Ibrahim eben empfing, verfehlten ihreWirkung nicht. Dazu fand der Alte an der Spitzfindigkeit Nureddins großen

Gefallen und sagte lächelnd zu ihm:Ei, mein Sohn, was du es gut verstehst! BeiGott, ich habe noch keinen feincrn Mann als dich gesehen! Ohne dich wäre ich nie aufdieses Mittel gefallen, euch, ohne mein Gewissen zu beschweren, Wein zu verschaffen.Dank deinem Scharfsinn, daß ich nicht genöthigt bin, unhöflich vor meinen Gästen zuerscheinen und ihnen eine Bitte abzuschlagen!"

Er verließ sie, um seinen Auftrag auszurichten, und entledigte sich desselben inkurzer Zeit.

Sobald er zurückkam, stieg Nurcddin hinab, hob die beiden Krüge aus denKörben und trug sie in den Saal. Scheich Ibrahim führte den Esel dahin zurück,

wo er ihn geholt hatte, und als er wieder zu seinen Gästen in den Saal trat, sagte

Nureddin zu ihm:Fürwahr, du bist ein Ausbund von Gastfreundlichkeit und

Diensteifer. Wir können dir nicht genug danken für die Mühe, welche du dir gegeben! hast; aber es fehlt uns noch etwas."Nun, was denn?" fragte Scheich Ibrahim;was kann ich noch thun, euch zu dienen?"Werde nicht ungeduldig, Ibrahim,"erwiderte Nureddin, indem er ihm lächelnd die Hand auf die Schulter legte;es istauch wieder nichts, wogegen dein zartes Gewissen Einsprache thun könnte. Den Weinhaben wir; aber woraus sollen wir trinken? Es fehlt uns an Flaschen und Schalen."O, dem wird bald abgeholsen sepn," versetzte Scheich Ibrahim:Flaschen undSchalen genug! Aber komm', du sollst selber wählen."

Hierauf führte der Alte seinen Gast an einen Glasschrank, den er mit den Wortenaufschloß:Hier, mein Sohn, ist ein Glasmagazin, wie es der Beherrscher der Gläubigennicht schöner und vollständiger besitzt. Nimm daraus, was dir gefällt. Ich will indesseneinige Früchte im Garten holen, welche euch zum Weine trefflich munden werden."

Nureddin erstaunte über die Menge und Pracht der Gefäße von Gold, Silberund Krystall, mit allen möglichen Edelsteinen besetzt, und das. Benehmen des angeblichenBesitzers all dieser Herrlichkeiten erschien ihm immer räthselhafter. Ohne sich jedochlange zu bedenken, wählte er einige der geschmackvollsten Krüge und Flaschen, goß den> Wein hinein und stellte ein paar kostbare Trinkschalen auf den Tisch. Mittlerweile war