738 Zweihundert und achtzehnte Nacht.
Als Scheich Ibrahim dies abgethan hatte und wieder zu seinen Gästen kam,fragte ihn Nureddin, ob er nicht ein Getränk habe, sie damit zu bcwirthen.Gewöhnlich trinke man auch gerne, wenn man gegessen habe. Da brachte ScheichIbrahim frisches, klares Wasser. Wie er aber die verdrießliche Miene Nureddinsgewahrte, so merkte er, daß er einen Mißgriff gemacht habe, und fragte: „Oder meinstdu vielleicht Sorbet? Ich habe den köstlichsten; aber du weißt, mein Sohn, daß manden Sorbet nicht nach dem Abendessen trinkt."
„Ich weiß es wohl," erwiderte Nureddin; „es ist auch nicht Sorbet, darum wirdich bitten; es ist ein anderes Getränk: ich wundere mich, daß du mich nicht verstehst."— „Ach, cs ist also Wein, was du meinst?" versetzte Scheich Ibrahim. „Du hast'serrathen," antwortete Nureddin, „wenn du welchen hast, so thue uns den Gefallen,uns eine Flasche davon zu bringen. Du weißt, daß man ihn nach dem Abendessentrinkt, um sich die Zeit bis zum Schlafengehen zu vertreiben."
„Gott bewahre, mein Sohn," rief Scheich Ibrahim aus, „daß ich Wein imHause haben, ja, daß ich auch nur einem Orte nahen sollte, wo er zu habe» ist! Seitmeinem dreizehnten Jahre Hab' ich nichts Aehnliches gethan. Hat nicht der Prophet(Gottes Heil scy mit ihm!) den verflucht, der ihn trinkt oder keltert, kauft und verkauftoder trägt? Nein, ein Mann wie ich, der viermal die Wallfahrt nach Mekka gemacht,hat für sein ganzes Leben auf den Wein Verzicht gethan."
„Du würdest uns gleichwohl eine große Gefälligkeit erweisen, uns welchen zuverschaffen," fuhr Nureddin fort; „und wenn dich nicht die Mühe verdrießt, so willich dir ein Mittel lehren, wie du dazu kommen kannst, ohne in eine Schenke zu tretenoder Hand an das zu legen, was es darin gibt."
„Wenn du das im Stande bist, will ich es wohl thun," antwortete ScheichIbrahim: „rede also und sage mir, wie ich es machen soll."
„Wir haben irgendwo im Garten einen Esel angebunden gesehen," fuhr Nureddinfort: „wenn dieser Esel verflucht wird, glaubst du wohl, daß dich von seinem Fluchetwas treffen werde?" — „Ich denke nicht," antwortete Ibrahim. — '„Nun," sprachNureddin weiter, „vermuthlich gehört der Esel dir und dient zu deinem nöthigenGebrauche. Da, hier sind noch zwei Dinar: nimm den Esel mit seinen Körben undtreibe ihn vor dir her zu der ersten besten Schenke, ohne dich ihr weiter zu nähern, alsdir beliebt; gib dann einem Vorübergehenden einen Dirham und bitte ihn, mit demEsel zur Schenke zu gehen, dort zwei Krüge Wein zu kaufen, in jeden Korb einenhineinzuthun und dir den Esel zurückzubringen, nachdem er den Wein von dem Gelde