Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
736
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7A0 Zweihundert und achtzehnte Nacht.

Sic stiegen daher über eine große Treppe von weißem Marmor zu der Thüre desSaales hinauf, fanden sie aber verschlossen.

Nurcddin und Anis Aldjalis stiegen eben die Treppe wieder herunter, alsScheich Ibrahim, mit Lebensmitteln beladen, ankam. Nureddin mochte esauffallen, daß ein Mann, dem ein so großes und schönes Besitzthum gehörte, keinenSklaven haben sollte, um etwas holen zu lassen, sondern selbst gegangen sep und sichdamit beschleppt habe. Auch zeigte Scheich Ibrahim in seinem Benehmen beialler Gefälligkeit, mit der er seine Gäste behandelte, doch nicht den Grad vonBildung und Gewandtheit, den man bei dem Herrn eines so geschmackvoll und reichangelegten Gartens hätte voraussctzen mögen. Daher empfing ihn Nureddin miteinem Ausdruck des Befremdens in seinem Gesichte, und sagte zu ihm:Hast du unsnicht gesagt, Scheich Ibrahim, daß der Garten dir gehöre?"

Ich habe es gesagt," antwortete Scheich Ibrahim,und wiederhole esnochmals. Weßhalb thust du mir diese Frage?"

Und dieser prächtige Saal," fuhr Nureddin fort, ohne Ibrahims Gegenfrage! beachten zu wollen,gehört der auch dir?"

Scheich Ibrahim war hieraus nicht gefaßt und schien ein wenig verlegen.Wenn ich sage, daß er mir nicht gehört," sprach er bei sich selbst,so werden sie michalsbald fragen, wie es denn zugehen könne, daß ich der Herr des Gartens sep, ohnezugleich der des Saales zu scpn!" Da er nun gerne vergeben wollte, daß der Gartensein sep, so behauptete er auch dasselbe von dem Saale.Mein Sohn," antwortete er,der Saal ist nicht ohne den Garten: Beides gehört mir."

Wenn das ist," fuhr Nureddin fort,und du es dir nicht nehmen lassen willst,uns heute Nacht zu Gästen zu haben, so bitte ich dich, thue uns den Gefallen undlaß uns das Innere davon sehen: nach dem Aeußern zu urtheilen, muß es vonaußerordentlicher Pracht sepn."

Es wäre unhöflich von Scheich Ibrahim gewesen, Nureddin diese Bitteabzuschlagen, nachdem er schon so zuvorkommend gegen ihn gewesen war. Er bedachteüberdies, daß der Chalif ihn nicht von seiner Ankunft benachrichtigt hatte, wie er dochzu thun pflegte, daß er also diesen Abend nicht kommen würde, und daß er in demSaal sogar seine Gäste bcwirthen und selbst mit ihnen essen könnte.

Er setzte die Lebensmittel, die er mitgebracht hatte, auf der ersten Stufe der Treppenieder und ging fort, um den Schlüssel in seiner Wohnung zu holen. Er kam miteinem Lichte zurück und öffnete die Thüre.