Zivrihundcrt und achtzehnte Nacht. 735
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hält; die Blätter der Levkoje und Anemone perlten von den Thränen der Wolke,freundlich lächelte die Anthemis und sehnsuchtsvoll blickte die Narcisse mit ihrenschwarzen Augen nach der schöneren Rose hinüber. Der Frühling hatte seinen Glanzüber Alles verbreitet, und während die Erde mit Blüthen von allen Farben übersäetwar, prangten die Zweige mit schnellgereiftem Ertrage; die Bäche murmelten leise, mild? säuselte die Luft, und allenthalben schwelgte die Natur im Genüsse der freundlichsten^ Jahreszeit.
> Scheich Ibrahim führte seine Gäste an einen Punkt auf einer kleinen Anhöhe,
! wo sie fast mit einem Blicke die Anlage, die Größe und Schönheit des Gartensübersehen konnten. Nachdem sie Alles aufmerksam betrachtet und einige Baumgängedurchwandelt hatten, wandte sich Nureddin an den gefälligen Aufseher, der siebegleitete, und fragte ihn nach seinem Namen, um doch auch zu wissen, wem er einen! so genußreichen Abend verdanke, und als dieser ihm geantwortet hatte, daß er sichScheich Ibrahim nenne, fuhr er fort: „Scheich Ibrahim, ich muß gestehen, diesist ein wundervoller Garten; Gott erhalte dich lange darin! Wir können dir nicht genugdanken für die Güte, daß du uns einen so sehenswürdigen Ort gezeigt hast; es istbillig, daß wir dir auf irgend eine Weise unsere Erkenntlichkeit dafür an den Taglegen. Nimm, da sind zwei Dinar; ich bitte dich, uns etwas zu essen zu verschaffen,damit wir uns zusammen erfreuen."
Bei dem Anblick der beiden Goldstücke schmunzelte Scheich Ibrahim, der diesesMetall sehr liebte, in seinen Bart, und indem er Nureddin und die schöne Perserinverließ, um seinen Auftrag zu vollziehen (denn er war allein), sprach er sehr vergnügtbei sich selber: „Das sind doch brave Leute; ich würde recht gegen meinen eigenenVortheil gewesen seyn, wenn ich die Unbesonnenheit gehabt hätte, sie zu mißhandelnund fortzujagen. Wie oft habe ich schon gehört, daß man mit der Höflichkeit in derWelt weiter kommt, als mit der Grobheit: diesmal ist's bei mir wahr geworden. Ichkann sie mit dem zehnten Theile dieses Geldes fürstlich bewirthen, und das Uebrigebleibt mir in der Tasche für meine Mühe."
Während Scheich Ibrahim ausging, etwas zum Abendessen einzukaufen, sowohlfür sich, als für seine Gäste, gingen Nureddin und die schöne Perserin in dem Gartenumher und gelangten an den Saal der Gemälde, welcher in der Mitte stand. Sicblieben eine Weile davor stehen und betrachteten seinen bewundernswürdigen Bau, seineGröße und Höhe; nachdem sie sodann ringsherum gegangen waren, um ihn von allenSeiten zu beschauen, kam sie die Lust an, auch einen Blick in das Innere zu thun.