726 Zweihundert und siebenzehnte Nacht.
Ein frischer Wind begünstigte die Fahrt, und bald hatten sie Bassora aus deinGesichte verloren.
Hier in Bassora ging aber Folgendes vor, während Nureddin mit der schönenPerserin dem Zorn des Königs entfloh.
Der Hauptmann der Wache kam an Nurcddins Haus und pochte an die Thüre.Da Niemand öffnete, ließ er sie einschlagen, und alsbald drangen seine Soldatenhaufenweise hinein: sie durchzogen alle Gemächer, durchsuchte» alle Winkel, fanden aberweder Nureddin noch seine Sklavin. „Herr!" sagte einer von den Soldaten zu demHauptmann, „wir sind zu spä: gekommen: das Nest ist leer; die Vögel sind auögeflogen."
Da ergrimmte der Hauptmann in seinem Innern, daß ihm, die Gelegenheitbenommen seyn sollte, den Befehl des Königs in seinem ganzen Umfange zu vollziehe»und seinen Diensteifer an den Tag zu legen. Nachdem er sich überzeugt hatte, daß alleNachforschungen in dem Hause vergeblich sehen, wo kein lebendiges Wesen und kam»eine Spur von menschlicher Wohnung zu sehen war, so ließ er in der ganzenNachbarschaft fragen und erkundigte sich selber, ob Niemand Nureddin und seineSklavin habe herausgehen sehen. Die Leute hatten wirklich nichts bemerkt; wenn sie esaber auch gesehen hätten, so würden sie doch den Soldaten die Wahrheit nicht gesagthaben: denn die Kunde von Nureddins Streit mit dem Vezier war bereits in derganzen Stadt herumgekommen und hatte allgemeine Heiterkeit verbreitet, da Niemandwar, der nicht dem verhaßten Muin die Züchtigung von Herzen gegönnt hätte, währendNureddin theils um seines verstorbenen Vaters willen, theils wegen seiner eigenenGroßmuth und Freigebigkeit bei Allen beliebt war. Wäre dies aber auch nicht gewesen,so pflegt überhaupt in solchen Fällen das Volk die Partei desjenigen zu ergreifen, dereinem gemeinschaftlichen Feind den Daumen auf's Auge gehalten und dabei Muth undStärke gezeigt hat. Sämmtliche Fragen wurden daher mit Kopfschütteln und verneinendenWorten erwidert, während die Nachbarn sich heimlich freuten, die Bemühungen derköniglichen Söldner so vergeblich zu sehen. Sie streckten neugierig die Köpfe zum Fensterheraus oder standen unter ihren Hausthüren, um den weiteren Verlauf der Sache mitanzusehen. Der Hauptmann aber war durch die Fruchtlosigkeit seiner Anstrengungen immernoch ärgerlicher geworden und gab seinen Soldaten den Befehl, das Haus zu plündernund zu schleifen. Während dies geschah, ging er selbst hin und brachte dem Königdie Nachricht, daß Nureddin mit seiner Sklavin entflohen sey, ohne daß Jemandwisse, welchen Weg sie eingeschlagcn hätten. „Man suche sie überall, wo sie sich versteckthaben könnten," sagte der König; „ich muß sie haben!"