Zweihundert und fünfzehnte Nacht. 717
! Seel' aus dem Leibe reißen, wenn mich nicht die Achtung vor diesen Leuten hier
^ zurückhielte!"
Da der Vezier Muin von Niemand geliebt, sondern im Gegenthcil von allerWelt gehaßt war, so war Keiner unter den Anwesenden, der ssch nicht gefreut hätte,daß Nureddin ihm ein wenig den Ernst zeigte. Als dieser daher im Kreise derumstehenden Kaufleute, Maller, Ausrufer und Käufer umhersah, bemerkte er auf alle»Gesichtern beifällige Aufforderung. Ja, Einige wagte» es sogar, ihm zuzuwinken unddurch Zeichen verstehen zu geben, er könne sich rächen, wie es ihm beliebe, cs werdeihm Niemand in den Weg trete». !
Muin strengte sich an, Nureddin den Zaum seines Pferdes aus der Hand zu >
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reißen,' Nureddin aber, der ein junger kräftiger Mann und durch den Beifall der iUmstehenden crmuthigt war, packte den Vezier, zog ihn vom Sattel herunter, warf ihn ^in die Gosse, die voll Koth war, und prügelte ihn tüchtig durch. Dann gab er ihmnoch einen derben Faustschlag auf den Mund, daß das Blut darnach floß.
Zehn Mamelucken, welche Muin begleitete», wollten mit gezogenem Säbel überNureddin herfallen, als sie ihren Herrn am Boden sahen; aber die Kaufleute tratendazwischen und verhinderten sie daran. „Was wollt ihr thun?" sagten sie zu ihnen.„Sehet ihr nicht, daß, wenn der Eine Vezier, der Andere Sohn eines Veziers ist?Lasset sie ihren Streit mit einander ausmacheu und mischet euch nicht darein. Vielleicht ^vertragen sie sich nach einigen Tagen wieder, und wenn ihr Hand angelegt hättet, !kämet ihr zwischen zwei Reibsteine. Oder wollet ihr Nureddin umbringen? Dasmöchte euch noch übler bekommen: denn glaubt ihr, daß sein Mord unbestraft bleibenwürde? und könnte euch euer Herr, wie mächtig er auch ist, vor der Gerechtigkeit!schützen?" !
Die Mamelucken ließen sich durch diese verständigen Vorstellungen bedeuten, oder!fürchteten sie vielleicht auch, der ganze Haufe, welcher sich bei dem Lärmen immer noch ^vergrößerte, möchte für Nureddin Partei ergreifen, wobei sie den Kürzeren gezogenhätten. Sie steckten daher ihre Säbel in die Scheide und sahen dem ungleichenKampfe zu.
Nureddin ward endlich müde, auf den Vezier loszuschlageu: er ließ ihn mitten ^in der Gosse liegen, nahm die schöne Perserin und kehrte mit ihr unter freudigemZurufe und lauten Lobeserhebungen des Volkes nach seinem Hause zurück. !
Der zerschlagene Muin erhob sich mit vieler Mühe unter dem Beistand seiner ^Leute und hatte die tödtliche Schmach, sich ganz von Koth und Blut besudelt zu sehen, i