Zweihundert und dreizehnte Nacht. 707
überzeugt, daß ich nach immer für eine ziemlich starke Summe verkauft werden kann.Folge meinem Nach und säume nicht, mich auf den Markt zu führe» und zu verkaufen;mit dem Gelde, das du aus mir lösest, läßt sich schon etwas anfangen. Nimm es undbegib dich damit in irgend eine Stadt, wo du unbekannt bist, dort Handel zu treiben.Auf diese Weise wirst du Mittel finden, wenn auch nicht in großem Ucbcrfluffe, dochwenigstens glücklich und zufrieden zu leben."
„Ach, liebenswürdige, schöne Anis Aldjalis!" rief Nureddin auS, „ist esmöglich, daß du diesen Gedanken hast fassen können? Habe ich dir so wenig Beweisevon Liebe gegeben, daß du mich dieser Nichtswürdigkeit für fähig hältst? Und wenn ichwirklich niederträchtig genug dazu wäre, könnte ich es thun, ohne meineidig zu werden,nachdem ich meinem seligen Bater geschworen habe, dich nie zu verkaufen? Ich will!lieber sterben, als dem zuwider handeln und mich von dir trennen, von dir, die ich —ich sage nicht ebenso sehr — sondern mehr, als mich selbst, liebe. Dadurch, daß dumir einen so unannehmlichen Vorschlag machst, gibst du mir zu erkennen, daß dumich bei Weitem nicht so liebst, wie ich dich liebe."
„Herr!" erwiderte die schöne Perserin, „ich bin überzeugt, daß du mich so sehrliebst, wie du sagst; und Gott weiß, ob die Neigung, welche ich sür dich empfinde,schwächer ist, als die deinige, und wie viele Ueberwindnng es mich gekostet hat, dir de»Vorschlag zu machen, welcher dich so sehr gegen mich empört. Um den Einwurf, den !du mir dagegen machst, zu entkräften, darf ich dich nur an das Sprichwort erinnern: ^Noth kennt kein Gebot, oder an die Worte des Dichters:
„Die Noth nimmt in manchen Dingen ihee Zuflucht zu Wegen, die sonstdem feinen Leben nicht ziemen.
„Wer sich zu etwas Gewalt authut, thnt es nur, wenn er sieht, daß einüberwiegender Grund dazu vorhanden ist."
„Ich liebe dich so sehr, daß du mich unmöglich mehr lieben kannst, und ich kanndich versichern, daß ich nie aufhören werde, dich ebenso zu lieben, welchem Herrn ichauch angehörcn mag. Ja, es wird für mich die größte Freude auf der Welt scyn, michwieder mit dir zu vereinigen, sobald deine Umstände erlauben, mich wieder zu kaufen,wie ich hoffe. Es ist freilich, ich bekenne es, eine grausame Nothwendigkeit für dichund mich; aber, wenn ich Alles erwäge, so sehe ich kein anderes Mittel, uns Beidedem Elend zu entreißen."
Nureddin, der sich lange weigerte, die Wahrheit dessen anzucrkenncn, was AnisAldjalis ihm hier verstellte, mußte endlich zugeben, daß er keine andere Hülfsquellc