706 Zweihundert und dreizehnte Nacht.
worin ich bin, irgend eine meiner unwürdige Handlung zu begehen, wenn du mit deinemweisen Rathe mir nicht bei steh st."
„Herr!" erwiderte die schöne Perserin, „hättest du dich früher warnen lassen, sostände es besser um deine leibliche und geistige Wohlfahrt. Jetzt ist in der That guter Raththeuer. Doch brauchst du darum nicht zu verzweifeln. Wer sich selbst nicht verliert, hatnoch nicht Alles verloren. Vorerst aber sehe ich kein anderes Mittel in deinem Unglück, alsdaß du dasjenige, was du noch besitzest, nämlich deine Sklaven und dein Hausgeräthe, zuGelde machst, dich auf die unentbehrlichsten Bedürfnisse cinschräukst und davon so lange lebst,bis dir der Himmel irgend einen andern Weg zeigt, um dich aus dem Elende zu ziehen."
So hart Nu reddin dieses Mittel schien, so fand er doch bei einigem Nachdenken,daß ihm in seiner Lage kein anderer Ausweg übrig blieb, um leben zu können. „MeineSklaven," überlegte er, „sind jetzt nichts mehr für mich, als unnütze Mitesser, derenUnterhalt mir eine Ausgabe verursachen würde, die ich zu bestreiten außer Stande wäre.Anis Aldjalis hat Recht: ich will sie verkaufen."
Der Erlös aus denselben reichte für einige Zeit hin, die Haushaltungskosten zudecken. Aber lang konnte es nicht dauern, so sehr er sich bemühte, nur das Nothwendigstezu brauchen. An Ucbcrfluß und Wohlleben gewöhnt, fielen ihm die Entbehrungen, denener sich unterwerfen mußte, äußerst schwer, und jetzt sah er sich auch noch genöthigt, aufdie letzten Bequemlichkeiten zu verzichten, um dem bitter» Mangel zu begegnen. Mitschwerem Herzen ließ er sein Hausgerälh auf den Markt bringen, wo es weit unterdem wahren Werthe verkauft wurde, obgleich sehr kostbare Stücke darunter waren, welche^ ungeheure Summen gekostet hatten.
, Hievon konnte er wieder eine gute Zeit lang leben; aber endlich versiegte auch dieseHülfsquelle, und er besaß nun nichts mehr, was er zu Geld machen konnte. Er theilte
! seinen tiefen Schmerz darüber der schönen Perserin mit, und sagte zu ihr: „Du hast
mich auf den Beistand des Himmels vertröstet, Anis Aldjalis; allein, siehe, er hat^ sich unser noch nicht erbarmt, solang wir auch schon im Elende schmachten. Weißt du
> auch jetzt noch zu rathen, so sprich; wo nicht, so laß mich sterben: denn das Leben ist
! mir zur Last geworden."
, Nureddin war auf die Antwort nicht gefaßt, welche ihm die verständige Fraugab. „Herr!" sagte sie zu ihm, „du bist im Jrrthum, wenn du gar nichts mehr zubesitzen glaubst, was du zu Geld machen könntest. Ich bin deine Sklavin, und duweißt, daß der selige Vezier, dein Vater, mich für 10,000 Dinar gekauft hat. Zwarweiß ich wohl, daß ich jetzt nicht mehr so viel werth bin, wie damals; jedoch bin ich
i...^-