Zweihundert und dreizehnte Ttncht. 705
ihm auf: seine zehn Freunde waren zu Hause, aber Keiner für ihn; Alle ließen sichverleugnen. >
Jetzt erst ging Nureddin in sich und erkannte seine^Thorhcit, die ihn verleitethatte, auf die feste Anhänglichkeit dieser falschen Freunde zu vertrauen und den Freund-schaftsversicherungen Glauben zu schenken, mit welchen sie so freigebig um sich warfen,solang er im Stande war, sie verschwenderisch zu bewirthen und mit Geschenken undWohlthaten zu überhäufen. „Es ist wohl wahr," sagte er bei sich selber, mit Thränenin den Augen:
„Der Mensch zur Zeit seines Glückes gleicht einem Baume: solang erFrüchte hat, sammeln sich die Leute um ihn;
„Sind aber diese abgcnommen, so gehen sie davon und überlassen ihn denStürmen und dem Staube.
«Pfui über die Menschen dieser Zeit! sie find alle gemein und schlecht; unterZehn ist nicht Einer gut."
Am niederschlagendsten war für ihn der Gedanke, daß sein Jrrthum eben so unver-besserlich, als unverzeihlich war. Denn was konnte es ihm nun helfen, daß er einsah,wo er gefehlt hatte? „O Anis Aldjalis!" rief er aus, „hätte ich deinen klugenRathschlägen und wohlgemeinten Warnungen Gehör gegeben!"
Solang er noch außer seinem Hause war, hielt er an sich, um nicht die Aufmerksamkeitder Vorübergehenden auf sich zu ziehen; nachdem er aber hcimgekommen war, überließer sich ganz und gar dem Jammer seiner Seele, der ihm bald so unerträglich wurde,daß es ihn nicht mehr allein ließ. Er suchte Trost in der Mittheilung, und wo durfteer ihn zu finden hoffen, als am Herzen seiner Anis Aldjalis?
Als Nureddin bei der schönen Perserin eintrat, erkannte sie sogleich an seinerNiedergeschlagenheit, daß er bei seinen Freunden nicht die erwartete Hülfe gefunden hatte.„Nun, Herr!" redete sie ihn an, „bist du jetzt von der Wahrheit dessen überzeugt, wasich dir vorausgesagt habe?"
„Ach, meine Theure," rief er aus, „du hast nur zu sehr Recht gehabt! Nicht Einerhat mich erkennen, mich sehen, mich sprechen wollen! Nie in meinem Leben hätte ichgeglaubt, von Leuten so schnöde behandelt zu werden, die mir so viel Dank schuldig sind,und für welche ich mich selbst erschöpft habe! Weh' mir Unglücklichen! nicht nur meinGut ist dahin, auch den Glauben an die Menschheit Hab' ich verloren! Ich kann michnicht mehr halten und fürchte, in dem bejammernswürdigen Zustand und in der Verzweiflung,