Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
703
Einzelbild herunterladen
 

Zweihundert und zwölfte Nacht.

708

Licht meiner Augen!" sagte Nureddin hierauf,du urtheilst zu hart überMänner, deren Charakter ich aus einem Umgang von vielen Jahren kenne. Ich!habe eine bessere Meinung, als du, von der Hülfe, welche sie mir leisten werden. !Gleich morgen, ehe sie, wie gewöhnlich, sich zu mir bemühen, will ich sie alle besuchen, !und du wirst mich mit einer hübschen Summe Geldes zurückkommen sehen, womit sieinsgesammt mich unterstützt haben werden. Ich werde, wie ich beschlossen habe, meineLebensweise ändern, die Vergnügungen aufgeben und dieses Geld in irgend einemHandel vortheilhaft anlegen."

Nureddin ermangelte nicht, sogleich am folgenden Morgen sich auf den Weg zumachen und das Quartier der Stadt aufzusuchen, in welchem alle seine zehn Freundewohnten. Er ging zuerst zu demjenigen, der einer der Reichsten war. Als er an derThür anklopfte, erschien eine Sklavin und fragte, wer es sey, der Einlaß begehre.Sage deinem Herrn," antwortete Nureddin,Nureddin Ali, der Sohn desverstorbenen Veziers Badhladdin, läßt ihm seinen Gruß vermelden und küßt ihmdie Hand."

Die Sklavin öffnete, führte ihn in einen Vorsaal und ging in das Zimmer ihresHerrn, dem sie Nureddin anmeldete.Nureddin?" antwortete der Herr mitverächtlichem Ton und so laut, daß Nureddin zu seinem großen Erstaunen es hörte;geh', sag' ihm, ich sey nicht zu Hause, und so oft er wiederkommt, sag' ihmdasselbe."

Die Sklavin kam zurück und gab Nureddin den Bescheid, sie hätte geglaubt, daßihr Herr zu Hause wäre; allein sic hätte sich geirrt.