Fn>eihu»dert und zwölfte Nacht.
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so konnte er sich doch nicht so gut verstellen, daß sie nicht deutlich genug bestätigt sahen, wassie eben vernommen hatten. Er hatte sich kaum wieder auf seinen Platz gesetzt, als einerder Freunde aufstand und zu ihm sagte: „Herr, es thut mir sehr leid, dir nicht längerGesellschaft leisten zu können: ich bitte dich, nicht übel nehmen zu wollen, wenn ich michentferne."
„Was ist cs, das dich nöthigt, uns so bald zu verlassen?" fragte Nureddin.
„Herr," antwortete Jener, „meine Frau ist ihrer Entbindung nahe; du weißt wohl,daß in solchen Fällen der Mann nicht zu lange von Hause wegbleiben darf. Es läßtmir keine Ruhe mehr, wenn ich daran denke, daß meine Gegenwart nothwendig sepnkönnte." Damit machte er eine tiefe Verbeugung und ging weg.
Einen Augenblick darnach stand ein Zweiter auf und beurlaubte sich unter einemandern Vorwände. Die Uebrigen thaten desgleichen, Einer nach dem Andern, bis keineinziger von den zehn Freunden mehr übrig blieb, welche bis zu dieser Stunde Nureddin! so gute Gesellschaft geleistet hatten.
Dieser war zu sehr mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt gewesen, als daß esihm eingefallen wäre, das Benehmen seiner Freunde genauer zu beobachten. Auchnachdem er sich von allen verlassen und allein im Saale sah, argwöhnte er nichts Böses,am allerwenigsten aber den Entschluß, den sie gefaßt hatten, ihn nicht wieder zu sehenund jede Verbindung mit ihm abzubrechen. Er ging in das Zimmer der schönen Perserinund sagte zu ihr: „Als du mein Haus betratest, Anis Aldjalis, da ahnete wohldein Herz nichts von dem, was heute eingetroffen ist." Dann erzählte er ihr, was ervon seinem Verwalter gehört hatte, und betheuerte zu wiederholten Malen, wie leid esihm um ihretwillen hauptsächlich thue, seine Vermögensumstände so zerrüttet zu sehen.
„Herr," sprach Anis Aldjalis zu ihm, „erlaube mir, dich zu erinnern, daß duhierin nur deinen eigenen Sinnen hast trauen wollen; jetzt thcilst du das Schicksal allerderjenigen, welche den Rath ihrer wahren Freunde so lange überhören, bis sie endlichdurch Schaden klug werden. Dann ist es aber meistens zu spät. Ich täuschte mich nicht,als ich das traurige Ende vorhersagte, welches deiner warten würde, wenn du deineLebensweise nicht ändertest. Was mir dabei noch besonders Kummer macht, ist, daß ichsehen muß, wie dir auch jetzt die Augen noch nicht ganz aufgegangen sind, und daß dunicht einmal weißt, wie unglücklich du dich gemacht hast. Erinnere dich, wie oft du mir,wenn ich dir Vorstellungen machen wollte, zur Antwort gabst: Laß uns der guten Tagegenießen, welche das Glück uns bietet, solang es uns günstig ist; vielleicht ist es nichtimmer so guter Laune. Aber ich hatte nicht Unrecht, wenn ich dir erwiderte, daß wir