700 Zweihundert und zwölfte Nacht.
„Wie soll ich deine Worte verstehen?" fragte Nnreddin betroffen. „Sag' ohneUmschweife, was dn mir anznkündigen hast."
„Herr!" fuhr der Verwalter fort, „da du mir befiehlst, offen zu reden, so laß esdeinen Sklaven nicht entgelten, wenn er dir sagen muß, was deine Ohren ungernvernehmen werden. Es ist nichts mehr da, wovon dn morgen leben könntest, nicht ei»Dirham mehr von allen den Summen, die du mir übergeben hast, deine Haushaltungzu bestreiten."
„So verpfände meine Häuser, entlehne Geld aus meine Gärten, laß dir Vorschußvon meinen Pächtern geben," fuhr Nnreddin heraus.
„Herr!" erwiderte der Verwalter, „alle Einkünfte, die du mir angewiesen hast, sind! erschöpft, und deine Pächter sammt Allen, die dir Zinsen zahlen mußten, haben mirSchwarz auf Weiß von deiner eigenen Hand die Abtretung deiner Forderungen an
Andere vorgelegt, so daß ich in deinem Namen nichts mehr von ihnen entziehen kann.
Hier sind meine Rechnungen: prüfe sie; und wenn du willst, daß ich dir ferner dienensoll, so weise mir andere Mittel an, Geld für dich zu erheben; wo nicht, so erlaubemir, daß ich Abschied nehme."
Nureddin war so bestürzt über diese Rede, daß er keine Splbe darauf antwortenkonnte. Mit schrecklicher Gewißheit stand auf Einmal der Gedanke vor seiner Seele,welchen er seit einem ganzen Jahre stets von sich abzuhalten und durch immer neueZerstreuungen und Lustbarkeiten zu unterdrücken bemüht gewesen war. Es war ihm
unmöglich, in diesem Zustande zu der Gesellschaft zurückzukehreu; er mußte vorher wieder
einige Fassung erringen.
Indessen trat der Freund, welcher die Unterhaltung zwischen Nureddin und seinemVerwalter belauscht hatte, sogleich wieder herein und theilte seine Entdeckung den übrigen! Freunden mit. „Ich habe es euch nun gesagt," schloß er seinen Bericht, „und ihr dürft! nicht daran zweifeln, daß Nureddin ein Bettler ist. Es steht bei euch, eure Maßregeln, darnach zn ergreifen; ich für meinen Theil erkläre: es ist heute das letzte Mal, daß ihrmich bei Nureddin seht." — „Wenn es so ist," erwiderten die Andern, „so habenwir auch nichts mehr bei ihm zu suchen; laßt uns nur darauf denken, wie wir uns aufeine schickliche Weise von ihm losmachen."
In diesem Augenblicke kehrte Nureddin, nachdem er aus seiner dumpfen Betäubungerwacht war und sich durch das Vertrauen auf die Hülfe Gottes und seiner Freundegestärkt hatte, in den Saal zurück; aber, welche heitere Miene er auch annahm, um seine! Gesellen wieder iu den Zug zu bringen und die unterbrochene Fröhlichkeit zurückzurufen,