696 Kweih lindert und elfte Nacht.
Augen fiel. Da ich ein leidenschaftlicher Liebhaber von Anlagen, Gärten, Landhäusernund Kiosken bin, so konnte ich meiner Begierde nicht widerstehen und trat hinein. Hattemich schon von Weitem die vorteilhafte Lage des OrteS angezogcn, so erstaunte ichnoch viel mehr, als mir vergönnt war, Alles im Einzelnen zu betrachten. WelcheRegelmäßigkeit und doch wieder welche Zwanglosigkeit in der Anordnung des Ganzen!Welche Harmonie und zugleich welche Mannigfaltigkeit'in den einzelnen Theilen! Wielieblich Alles und doch wie zweckmäßig! Wahrlich, sagte ich bei mir selber, das mußein Mann von ebensoviel Weisheit als Geschmack angelegt haben! Je weiter ich ging,desto lebhafter regte sich in mir der Wunsch zu erfahren, wem das herrliche Landgutgehöre. Da traf ich auf einen Mann, der mir ein Gärtner zu seyn schien. GuterFreund, redete ich ihn an, kannst du mir wohl sagen, wer der Besitzer dieses reizendenAufenthaltes ist, in welchem man alle seine Lebenstage zubringen möchte? Ich erschrakbeinahe vor Freude, als er mir antwortete: Dieses Landgut gehört meinem gnädigenHerrn und Gebieter, dem großen und weisen Nureddin Ali. Der Sklave mochtemir meine Neugierde und Ueberraschung ansehcn: denn er erbot sich sogleich, mich überallherumzuführen und mir alles Sehenswürdige zu zeigen. Nicht leicht habe ich vergnügtereStunden zugebracht, als aus deinem Landgutc, mein Freund; nichts kann prächtigerund zweckmäßiger eingerichtet seyn, als das Haus, und der Garten dabei ist ein wahresParadies. Du vergönnest mir doch, manchmal hinzugehen und meine Augen an demAnblick desselben zu weiden?"
„Es freut mich, daß es dir gefällt," erwiderte Nureddin; „cs ist wahr, ichhabe nichts gespart, um es meines Standes und Reichthumes würdig cinzurichten. Abercs wäre Verrath an der Freundschaft, wollte ich dir nur erlauben, es mit den Augeneines Fremden anzusehen. Nein, ich will deinen Genuß dadurch nicht trüben, daß duzu denken gcnöthigt bist: Was mir so viel Lust und Vergnügen gewährt, gehört einemAndern. Man bringe mir Feder, Dinte und Papier, und ich will nicht weiter davonreden hören; es ist dein, ich schenke es dir."
Nachdem es auf diese Weise dem Einen gelungen war, sich durch Schmeicheleiein so ansehnliches Besitzthum zu erwerben, so säumten auch die Andern nicht, diewohlfeile Gelegenheit zu benützen, ihrem Freunde, wie sic ihn nannten, nach und nachdas Schönste und Wcrthvollste, was er besaß, abzuschwatzen. Sic lauerten dabei stetsden Zeitpunkt ab, wenn Nureddin in einer heiteren und großmüthigen Laune war,und wußten ihn dann so an seiner schwachen Seite zu fassen, daß cs ihnen nicht fehlenkonnte, ihren Wunsch zu erreichen. So ging eines von Nurcddins Häusern nach dem