Zweihundert und elfte Nacht. 695
ein Mensch meines Alters muß keine Gelegenheit versäumen, die Freuden der Jugendzu genießen."
Was noch viel mehr dazu beitrug, Nureddins Vermögens»»,stände zu zerrütten,
war, daß er niemals von einer Rechnung mit seinem Verwalter hören wollte. Ge-schickte ihn jedesmal, wenn er mit seinem Buche kam, wieder fort, indem er zu ihmsagte: „Geh', geh', ich verlasse mich ganz aus dich; sorge nur dafür, daß ich jeden Tageine wohlbesetzte Tafel habe."
„Du hast zu gebieten, Herr!" erwiderte der Verwalter. „Erlaube jedoch, daß ichdich an daö Sprüchwort erinnere, welches sagt: Wer immer ausgibt, ohne zu rechnen
was, kommt zuletzt an den Bettelstab, ohne zu wissen wie. Du begnügst dich nicht mitdem so verschwenderischen Aufwand deiner Tafel, du schenkst auch noch mit vollen Händenweg. Deine Schätze können das nicht aushalten, und wären sic auch so groß wie Berge.Verschwendung, sagt ein anderes Sprüchwort, schöpft auch den tiefsten Brunnen aus."
„Geh', sage ich dir," wiederholte ihm Nureddin, indem er ihm einen unwilligenBlick zuwarf, „von all dem, was du mir eben gesagt, will ich kein Wort mehr hören;fahre fort, mir zu essen zu schaffen, und bekümmere dich nicht um das klebrige. Weißtdu nicht, wie der Dichter sagt:
„Wenn ich Reichthnmor besitze und damit nicht freigebig bi», so möge meineHand sich nie öffnen, nnd mein Fuß nie aufrecht stehn!
„Zeige mir einen Geizigen, der Mit seinem Geize Ruhm erworben hätte,oder einen Freigebigen, der in Verachtung gestorben wäre."
„Alles, was ich von dir fordre, ist: So lange du noch hast auf morgen, mach'mir heute keine Sorgen."
Auf die Frage des Verwalters, ob dies seines Gebieters bestimmter Wille sey,antwortete Nureddin mit einem kurzen Ja, und der Verwalter ging seines Weges.
Nureddin fuhr in seinem Leichtsinne fort, sich's wohl seyn zu lassen, und seineFreunde versäumten keine Gelegenheit, seine Willfährigkeit zu benutzen. Sie aßen vonseinen Speisen, tranken von seinem Wein, und dabei schmeichelten sie ihm, lobten ihnund erhoben Alles, auch das Geringste und Unbedeutendste, was er that und sagte.Hauptsächlich vergaßen sie nicht, Alles übermäßig zu preisen, was ihm gehörte, undfanden dabei ihre Rechnung.
„Herr!" sprach der Eine zu ihm, „als ich neulich spazieren ging, führte michmein Weg an einem Landgute vorüber, das mir durch seine Schönheit sogleich in die