Zweihundert und zehnte Nacht. 680
welches die Erfüllung des höchsten Wunsches im Gcmiith erregt. Beide, die schönePerserin und Nureddin, waren sehr zufrieden mit dieser über all ihr Fürchten undHoffen günstigen Wendung ihres Geschickes, und der Vater war sehr vergnügt überihre herzliche Einigkeit und bereute es nie, den verständigen Rath seiner Gemahlinbefolgt zu haben.
Um jedoch alle mögliche schlimme Folgen der Begebenheit zu verhüten und seinenFeinden bei dem Könige zuvorzukommen, wartete der Vezier Badhla.ddin nichtab, bis Muhamed von dem ihm crtheiltcn Aufträge mit ihm spräche; er fing bei dernächsten besten Gelegenheit selber davon an, daß cs ihm trotz aller seiner Bemühungenbisher nicht gelungen sey, eine des Königs würdige Sklavin zu finden, und warbemüht, ihm von Zeit zu Zeit wiederholt die Schwierigkeiten bemerklich zu machen,welche sich seinem eifrigen Bestreben cntgegcnstellen, sich des hohen Auftrages zurZufriedenheit des Königs zu entledigen; kurz, er wußte es so geschickt einzulcitcn, daßMuhamed nicht nur nicht das Geringste von dem Vorfall ahnte, sondern auchunvermerkt bald gar nicht mehr an die Sache dachte.
Muin hatte gleichwohl etwas von dem erfahren, was vorgegangcn war; da eraber sah, daß Badhladdin in der Gunst des Königs sich immer mehr befestigte, sowagte er nicht, demselben etwas davon zu sagen.
Nach Verfluß von mehr als einem Jahre, nachdem dieser so kitzliche Handelglücklicher abgelaufen war, als der Vezier anfangs geglaubt hatte, geschah cs, daßdieser in's Bad ging, und ein dringendes Geschäft ihn nöthigte, es schnell zu verlassen.Er war noch ganz erhitzt, als er heraustrat, und da die Witterung etwas kühl war,so konnte es nicht fehlen, daß die kalte Luft ihm auf die Brust schlug und ihm einheftiges Fieber verursachte, das ihn zwang, sich zu Bette zu legen. Seine vom Alter-geschwächte Natur vermochte nicht dem Anfall zu widerstehen; die Krankheit nahm zu,und nachdem er manche schlaflose Nacht auf einem beschwerlichen Lager zugcbracht hatteund fühlte, daß der letzte Augenblick seines Lebens nicht mehr ferne sep, ließ er seinenSohn Nureddin rufen und sprach folgendermaßen zu ihm:
„Mcin Sohn, ich weiß nicht, ob ich den rechten Gebrauch von den großenRcichthümern gemacht habe, die Gott mir verliehen hat; mein einziger Trost ist der,daß ich mir bewußt bin, bei der Verwendung derselben nie eine unlautere oder niedrigeAbsicht gehabt zu haben. Wäre das nicht, so könnte ich nicht ruhig sterben: denn dusiehst, daß alle meine Schätze mir nichts helfen, um mich von dem Tode zu befreien.Darum weiß ich dir jetzt, wo ich dir sie hinterlasse, nichts Besseres zu empfehlen, als:
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