688 Zweihundert und zehnte Nacht.
seines Vergehens und der möglicherweise aus demselben entstehenden Felgen suhlen zulassen, hielt er ihm in vorwurfsvollem Ton entgegen: „Undankbarer Sohn, war esdir so leicht, deines Vaters Leben, Vermögen und Ehre aufs Spiel zu setzen, nur umein muthwilliges Gelüste zu befriedigen?" So viel Herbes auch in dieser Anklageenthalten war, so sah Nureddin doch die Liebe durchschimmern und fuhr fort: „Eshat ein Dichter gesagt:
„Erlaß mir meine Schuld: denn die Verständigen vergeben immer denSchuldigen ihr Vergehen.
„Wenn ich auch alle Arten von Untugend in mir vereinige, so verbindedoch du alle Tugenden mit der schönsten derselben, der Großmurh!
' „Bedeute, daß, wer Verzeihung hofft von dem, der über ihm ist, auch
dcujcnigcn ihre Schuld vergeben muß, die unter ihm sind."
Da stand der Vezier von der Brust seines Sohnes auf, ließ sich den Dolch ausder Hand winden, und sobald er sich frei fühlte, warf sich Nureddin zu seinen Füßenund küßte sie ihm, zum Zeichen, wie sehr es ihn gereute, ihn beleidigt zu haben.
„Nureddin," sprach der Vater zu ihm, „danke deiner Mutter: ihr zu Liebeverzeihe ich dir. Ja, ich will dir sogar die schöne Perserin geben, aber nur unter derBedingung, daß du mir mit einem Eide gelobst, sie gut zu behandeln."
„Wie meinst du das?" fragte Nureddin freudig erstaunt und voll Begierde.
„Du mußt sie," fuhr Badhladdin fort, „nicht als eine Sklavin, sondern alsdeine Gemahlin anschen, das heißt, du darfst sie niemals verkaufen oder verstoßen,noch auch eine Andere neben ihr heirathen. Da sie Verstand und Geist und Lebensarthat, unendlich viel mehr, als du, so bin ich überzeugt, daß sie diesen jugendlichenUngestüm mäßigen wird, der dich noch zu Grunde richten kann."
Nureddin hatte nicht zu hoffen gewagt, daß er mit solcher Milde und Schonungbehandelt werden würde. Noch unerwarteter kam ihm der Vorschlag, Anis Aldjaliszur Gattin zu nehmen. Da er die Sklavin jedoch gleich beim ersten Blick liebgewonncnhatte, und durch die zweimonatliche Trennung seine Neigung noch stärker gewordenwar, so besann er sich nicht lange. Er dankte seinem Vater mit aller ersinnlichenErkenntlichkeit und leistete ihm von Herzen gern den Eid, den er von ihm verlangte.
Hierauf begab er sich zu Anis Aldjalis, um ihr die frohe Botschaft zuhinterbringen. Sie wollte lange ihren Ohren nicht trauen, und als sie nicht mehrumhin konnte, seinen Worten Glauben zu schenken, überließ sic sich ganz dem Entzücken,