Iweihundert und zehnte Nacht
Schehersad erzählte weiter: Badhladdin setzte seinem Sohne Nureddin,
nachdem er ihn unter seine Füße geworfen, ein Knie auf die Brust, zog einen Dolchaus seinem Gürtel und hielt ihn dem Erschrockenen an die Kehle, als ob er ihm dasLeben nehmen wollte. In diesem Augenblicke kam Nureddins Mutter dazu, fiel demVezier in den Arm und rief aus: „Was willst du thun, Herr?" — „Laß mich los,"entgegnete der Vezier mit verstelltem Grimme, „damit ich diesen unwürdigen Sohntödte!" — „Ach, Herr," fuhr die Mutter fort, „tödte lieber mich selber: ich werdeniemals zugebcn, daß du deine Hand in dein eigenes Blut tauchest!"
Nureddin benutzte diesen Zeitpunkt, und mit Thränen in den Augen ries eraus: „Mein Vater, wird es dir so leicht, deinen einzigen Sohn zu tödten?" Dagewahrte er, daß auch Badhladdins Augen in Thränen schwammen, und die höhereMacht des Gefühls in ihm rege ward. Ermuthigt durch diese Zeichen der rückkehrendenVaterliebe, fuhr er fort: „Mein Vater, ich flehe deine Gnade und dein Erbarmen an;gewähre mir die Verzeihung, um welche ich dich in dem Namen desjenigen bitte, vondem du sie an dem Tage erwartest, wo wir einst Alle vor ihm erscheinen werden."Trotz seiner augenscheinlichen Rührung zögerte Badhladdin doch noch mit derGewährung seiner Verzeihung, und um seinen Sohn noch einmal die ganze Schwere