684 Jivcihundcrt und neunte Ailcht.
betrogen; sie sey zwar von unvergleichlicher Schönheit, aber eS fehle viel daran, daßsie eben so viel Geist habe und so geschickt sey, als sie dir gerühmt worden. DerKönig wird deinen Reden Glauben schenken, und Muin wird die Beschämung haben,wieder eben so mit seinem verderblichen Anschläge verunglückt zu seyn, wie so manches!andere Mal, wo er vergeblich versucht hat, dich zu verderben. Beruhige dich also. ^Kennst du nicht Gottes verborgene Huld? Ueberlaß ihm deine Sache: er wird sie zudeinem Besten lenken. Und glaubst du, um ganz sicher zu gehen, noch etwas Weiteresthun zu müssen, so folge meinem Rath und laß die Makler rufen; bedeute sie, daß dumit der schönen Perserin nicht zufrieden scycst, und trage ihnen auf, dir eine andereSklavin zu verschaffen. Dies wird deinen Aussagen vor dem König die größteWahrscheinlichkeit geben und Muins Absichten gewiß vereiteln."
Da dieser Rath dem Vezier Badhladdin vernünftig schien, so beruhigte er sich
ein wenig und entschloß sich, ihn zu befolgen. Man reichte ihm einen Becher Wein,
und er trank ihn. Wenn aber auch die Furcht vor den Übeln Folgen der unüberlegtenThat seines Sohnes nach und nach verschwand, so verminderte dies doch nicht imGeringsten seinen Zorn gegen den Thäter.
Nureddin war aus dem Hause seines Vaters geflohen und ließ sich den ganzen
Tag nicht sehen; er wagte es selbst nicht, bei einem der jungen Leute seines Alters,
mit denen er gewöhnlich umging, eine Zufluchtsstätte zu suchen, aus Furcht, sein Vaterließe ihm dort nachspüren. Er ging aus der Stadt und fluchtete sich in einen Garten,wo er sonst nie hingegangen war und wo man ihn nicht kannte. Erst sehr spät amAbend kam er heim, als er wußte, daß sein Vater sich schon in sein Zimmer begebenhatte, und klopfte an die Thüre des Hauses, welche ihm von den Frauen seiner Muttergeöffnet wurde. Er legte sich schlafen, und vor dem Morgengebet, ehe sein Vateraufgestandcn war, ging er wieder aus. Zwei Monate lang war er so zu seinerempfindlichsten Kränkung genöthigt, dieselbe Vorsicht zu gebrauchen, um dem Zorneseines Vaters auszuweichen. Denn die Frauen verhehlten es ihm nicht, sondern erklärtenihm gerade heraus, daß der Vezier noch immer eben so aufgebracht sey und betheuerthabe, er würde ihn tödten, wenn er ihm vor Augen käme.
Die Gemahlin des Veziers wußte durch ihre Frauen, daß Nureddin jeden Tagnach Hause kam. So sehr aber auch ihr mütterliches Herz darunter litt, so wagte siccs doch lange nicht, ihren Gemahl um Verzeihung für ihn zu bitten. Sie sann hinund her, wie es wohl einzuleiten seyn könnte, das Verhältuiß zwischen Vater undSohn wieder hcrzustellen und den Handel, welcher so schlimm auszufallen gedroht hatte,