Kweihundert und neunte "Nacht. 683
„Meinst du denn nicht," schloß der Vezier, „daß auf eine solche Anklage hin die Leutedes Königs jeden Augenblick kommen können, um mit Gewalt in mein Haus zu dringenund die Sklavin wegzuführen? Ich geschweige aller übrigen unvermeidlichen Nebel, diedaraus folgen werden."
„Mein Herr," versetzte die Frau auf diese Worte des Veziers, ihres Mannes,„ich stelle nicht in Abrede, daß die Bosheit Muins sehr groß, und daß er im Stande!ist, der Sache die arglistige Wendung zu geben, die du hier voraussagst, wenn er diemindeste Kunde davon hätte. Aber kann er oder irgend Jemand wissen, was imInnern deines Hauses vorgeht?"
„Wohl," entgegnete der Vezier, „Muin soll wirklich nichts davon erfahren, wasin meinem Hause geschehen ist; aber er hat überall seine Kundschafter, um mir aufjeden Tritt zu lauern, den ich außer demselben thue; die Makler alle haben Kundedavon gehabt, daß ich eine solche Sklavin suche; meinem Feinde, welcher schon dcßwegenneidisch gegen mich ist, weil mir und nicht ihm der ehrenvolle Auftrag zu Theil wurde,wird es nicht verborgen geblieben seyn, daß und um welchen Preis ich sie gekauft habe.Gelingt es ihm nur einigermaßen, den Verdacht des Königs rege zu machen, so wirder nicht Nachlassen, bis dieser ihm Vollmacht gibt, die Sklavin zu holen und ihmvorzustellen. Der König wird sie ausfragen, und sie wird nichts leugnen können.Muin aber wird zum König sagen: Sichst du nun, Herr! daß ich es gut mit dirmeine und dir langes Leben wünsche? Aber mein Diensteifer wird von dir verkannt,weil Andere deine Gunst besitzen, von denen sie auf schändliche Weise mißbraucht wird.Heute ist es mir gelungen, einen Betrug, den man dir gespielt hat, aufzudeckcn, undwäre nicht dein Auge blind und dein Ohr taub gegen die Aufrichtigkeit meines Willens,so hättest du schon längst in deinen vermeintlichen Freunden deine ärgsten Feinde gefunden.So wird er sprechen und mich verleumden. Denke dir nun selbst die Grenzenlosigkeit dernachtheiligen Folgen, welche daraus für mich und mein Haus entstehen werden."
Als die Gemahlin des Veziers ihn so reden hörte, sagte sie: „Gesetzt, der Königbekomme wirklich Verdacht: wird er nicht so gerecht seyn, dich auch vorher über die!Sache zu hören? Er hat dich stets ihm treu ergeben gefunden; schon oft sind deiner ^Feinde böswillige Einflüsterungen bei ihm in ein taubes Ohr gefallen: wird er dich ohne ^Untersuchung verdammen? Nein, er wird dich rufen lassen, ehe er befiehlt, mit Gewaltgegen dich einzuschreiten. Kannst du dann nicht sagen: allerdings habest du die Sklavin !für den König gekauft; nachdem du sie aber recht geprüft, habest du dich überzeugt, daß.sic seiner nicht so würdig scy, als sie dir anfangs geschienen; der Kaufmann habe dich!