683 Kiiiciliundcrt und neunte Nacht.
Badhladdin hob sein von Schmerz und selbstgcschlagenen Wunden entstelltesAntlitz gegen sie auf und erwiderte: „Meinst du denn, daß ich mich über den Verlust
von 10,000 Dinar so betrüben könnte? Was liegt mir an dem Werthe der Sklavin?Es ist hier nicht die Rede von diesem Verluste, ja, nicht von dem Verluste aller meinerGüter: der sollte mich wenig kümmern. Ich sehe weiter, als du, und kenne den ganzenUmfang des Verderbens, das der Leichtsinn meines ungcrathcncn Sohnes über meingraues Haupt gebracht hat. Wisse, es handelt sich hier um meine Ehre, die mirtheurer ist, als alle Güter der Welt. Es handelt sich um die Vollziehung des ehrenvollstenAuftrages, der je einem Diener von seinem Herrn gegeben wurde. Aber, nun ichaußer Stande bin, das zu leisten, zu was ich mich anheischig gemacht, wird Unsinn undBosheit ihr Haupt erheben und meine gute Meinung in den Staub treten."
Die Gemahlin des Veziers ließ sich durch diese stets noch von der Uebertreibungder Leidenschaft eingegebenen Reden ihres Gemahls nicht irre machen, weil sie inzwischenZeit gehabt hatte, den Vorfall viel anders anzusehen und ruhiger zu überdenken, als siein der ersten Bestürzung im Stande gewesen war, und da sie bemerkte, daß auch!Badhladdins Besinnung zurückkehrte, so wagte sie es sogar, ihre Meinung gegen dieseinige zu behaupten. Sie versetzte mit dem milden und doch überlegenen Tone einerFrau, die ihrer Sache gewiß ist: „Mich dünkt gleichwohl, Herr! daß, was man mitGeld wieder gut machen kann, nicht von so großer Erheblichkeit ist."
„Ei ja!" entgegnete der Vezier, „weißt du nicht, daß dieser Muin unser Todfeind ist?Hast du vergessen, mit welcher Begierde er jede Gelegenheit ergreift, mir, zu schadenund mein Ansehen zu schwächen? Glaubst du nicht, daß er, sobald er diesen Handelerfährt, hingehen und bei dem König über mich triumphiren wird? Großmächtigster König,wird er zu ihm sagen, du sprichst immer nur von der Ergebenheit und dem DiensteiferBadhladdins; allein er zeigt eben jetzt, wie wenig er einer so großen Auszeichnungwürdig ist. Hat er nicht 10,000 Dinar empfangen, um dir eine Sklavin zu kaufen?Er hat sich auch wirklich eines so ehrenvollen Auftrags entledigt, und noch niemalshat man eine schönere Sklavin gesehen; aber, anstatt sie dir, seinem Herrn, der alleinAnspruch darauf hatte, zuzuführen, hat er es für geeigneter gehalten, seinem Sohn einGeschenk damit zu mache». Mein Sohn, hat er zu ihm gesagt, nimm diese Sklavin,sie ist dein: du verdienst sie mehr, als der König. — Sein Sohn, wird er mit seiner-gewöhnlichen Bosheit fortsahren, hat sie genommen und ergötzt sich nun täglich mit ihr.Und du darfst mir glauben, daß sich die Sache wirklich so verhält; solltest du jedoch in dieWahrhaftigkeit meiner Worte Zweifel setzen, so kannst du dich selber davon überzeugen. —