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1 (1838)
Entstehung
Seite
681
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Zweihundert und neunte Nacht. 681

Das ist dcr Grund meiner Betrübniß um dich und um meinen Sohn, für welchen ichcs nicht wage, dich um Verzeihung anzuflehen."

Es ist nicht möglich, den Aerger des Veziers auszudrücken, als er die Frechheit seinesSohnes Nureddin vernahm. Mit Mühe hatte er sich so lange zusammengcnommen, bisder niederschlagende Bericht seiner Gemahlin zu Ende war; aber jetzt brach die unterdrückteLeidenschaft mit verdoppelter Stärke hervor. Er warf sich wüthend auf die Polster,schlug sich auf Brust und Wangen, daß ihm das Blut herabfloß, und biß sich in dieHände; dann faßte er seinen Bart und riß so viele Haare aus, daß ein ganzer Büschelin seinen Fingern blieb. Dazwischen rief und stöhnte er:Ha! auf diese Weise also,unseliger Sohn, unwürdig, das Tageslicht zu schauen, stürzest du deinen Vater vonder höchsten Stufe seines Glücks in den Abgrund! So verderbest du ihn und dich mitihm! Unheilvolle That! Folgenschwerer Muthwillen! Der König wird sich nicht mitdeinem, noch mit meinem Blute begnügen, um sich für diese Beleidigung zu rächen, dieseine Person selber trifft. Unerhört! Meinen wohlangelegten Plan so frech zu durchkreuzen!Mir in demselben Augenblicke, wo ich den Lohn vielfältiger Bemühung zu erhalten unddamit den Gipfel der königlichen Gunst zu ersteigen gedachte, einen solchen Streich zuspielen, der nicht nur meine Hoffnung vereitelt, sondern mich aus meiner mühsamerrungenen und unter Sorgen und Kämpfen standhaft behaupteten Stellung zurückwirft!Was Hage ich, zurückwirft? Vernichtet bin ich und ein Spott, meiner Feinde! MeinHaus liegt in Trümmern, und mein eigener Sohn hat meinem Namen einen Schandpfahlerrichtet!"

Unter diesen und ähnlichen Ausrufungen und Verwünschungen fuhr er fort, sich aufden Polstern herumzuwälzen und gegen sich selber zu wüthcn. Seine Gemahlin, welche ihnwohl kannte und wußte, daß er nach dem Ausbruch der Leidenschaft wieder der Vernunftund Klugheit Gehör geben würde, ließ den ärgsten Sturm vertoben; erst, als sie sah,daß sich derselbe etwas gelegt hatte, bemühte sie sich, den unglücklichen Badhladdinzu trösten, und begann also:Mein lieber Herr und Gemahl! wozu das Wüthen undToben? Willst du dich selbst umbringen? Dadurch wird das Geschehene doch nichtungeschehen, und was schlimm ist, nur noch schlimmer werden. Laß uns vielmehr ausMittel sinnen, die gefährlichen Folgen der Unüberlegtheit Nureddins abzuwendcn undgrößeres Unglück zu verhüten. Anis Aldjalis kannst du freilich dem Könige nun nichtmehr vorstellen. Aber betrübe dich darüber nicht allzusehr: ich kann ja leicht 10,000 Dinaraus einem Theil meiner Juwelen lösen; dafür kaufst du eine andere Sklavin, die nochschöner und des Königs würdiger ist."

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