Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
672
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67s Sweihundert und siebente Nacht.

Nun wollte aber der Zufall, daß die Sklavin eines Tages in's Bad ging, welchesim Hause war, und das die Gemahlin des Veziers seiner Anordnung zufolge für siehatte bereiten lassen. Einige Sklavinnen begleiteten sie dahin, um sie zu bedienen.Wie der Makler es voraus gesagt hatte, so geschah es. Das Bad goß das Gewandder Anmuth über sie und erhöhte den Glanz ihrer Schönheit, indem es die letztenSpuren der Erschöpfung in Folge der anstrengenden Reise verwischte. Als sie herausstieg,erstaunten die Dienerinnen über den bezaubernden Liebreiz, der die ganze Gestalt umfloß.Man reichte ihr ein Kleid, welches würdig' war, die herrlichen Formen zu umgeben,und während des Ankleidens erschollen aus dem Munde der Mädchen laute Rufe derBewunderung und des Wohlgefallens. Sobald der Anzug vollendet war, beeilte sichdie schöne Perserin, sich ihrer Herrin vorzustellen, um ihr zu danken und zu sehen, obder vortheilhafte Eindruck, den die mit ihr vorgegangene Veränderung auf die Sklavinnenhervorgebracht hatte, auch auf die Gebieterin sich erstrecken würde. Diese begrüßte siemit den Worten:Das Bad bekomme dir wohl, o Anis Aldjalis!" ' woraufihr die Sklavin die Hand küßte und erwiderte:Gott vermehre deine Freude und deinGlück, o Herrin! Ich bin begierig zu vernehmen, wie du mich in diesem Kleide

findest, welches du die Güte gehabt hast mir machen zu lassen. Deine Frauen, diemich versichern, es stehe mir so gut, daß sie mich kaum wieder erkennen, wollen' mir vielleicht nur schmeicheln: ich berufe mich auf dein Urtheil darüber. Sollten siegleichwohl die Wahrheit sagen, so bist doch du es, o Herrin, der allein ich diesenVortheil verdanke."

Meine Tochter," erwiderte die Gemahlin des Veziers mit großer Freude,dudarfst es nicht für Schmeichelei halten, was meine Frauen dir gesagt haben: ichverstehe mich besser auf derlei Dinge, als sie; und, abgesehen von dem Gewände, welchesdich wunderbar gut kleidet, bringst du aus dem Bad eine Schönheit mit, die so weitübek dem steht, was du vorher schienest, daß ich selbst Mühe habe, dich wieder zuerkennen. Wüßte ich, daß das Bad noch gut genug wäre, so würde ich' es mir auchzu Nutze machen: ich bin nachgerade in einem Alter, welches erfordert, daß ich michöfters desselben bediene."

Erhabene Gebieterin," antwortete die schöne Perserin,ich weiß auf die unverdienteEhre, die du mir erweisest, nichts zu erwidern. Was aber das Bad anlangt, so ist eswunderherrlich und wird dir gewiß wohl thun; die Zeit ist angemessen, das Wasser

' Freundliche Gesellschafterin.

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