600 Fwci hundert und sechste Tischt.
»Sie ist wunderbar; die Schönheit ihres Gesichts gleicht Mond und Sternen;sie ist die erste und vornehmste aus ihrem Stamme und verdunkelt alle, so mitihr ausgewachsen.
„Gott, der erhabene Besitzer des Himniclsthrons, hat ihr die höchsten Guterdes Lebens geschenkt: Scclcnadcl, Hoheit, Anmnth und glänzenden Verstand.
»An dem Himmel ihres Angesichts prangen sieben Sterne gleich den Wächternihrer Wangen.
„Wenn ihr Jemand durch begehrendes Anschaucn Blicke entlocken will, sollteauch sein Blick dem eines Faunen gleichen, so versengt sie ihn durch dieGlut eines ihrer Sterne."
Als der Vezier die Sklavin sah, bewunderte er sie sehr und fand seine Erwartungdurch ihren Anblick so iibcrtroffen, daß er sie nur die schöne Perserin nannte. Daer selber ein Mann von Geist und Gelehrsamkeit war, so erkannte er aus derUnterhaltung mit ihr sehr bald, daß er vergeblich nach einer andern Sklavin suchenwürde, welche sie in irgend einer der von dem König verlangten Eigenschaften überträfe.Er wendete sich daher zu dem Makler und fragte ihn, welchen Preis der persischeKaufmann auf sie gesetzt habe. Der Makler antwortete: „Herr! es ist ein Mann,der nicht mit sich handeln läßt; er verlangt 10,000 Dinar und hat geschworen, daßsie allein für soviel junge Hahnen gegessen und Wein getrunken habe, und daß dieseSumme nicht einmal die Geschenke bezahle, die ihren Lehrern gemacht worden sehen.Da er gleich beim Ankauf in ihrer frühesten Kindheit erkannte, daß sie eines Königswürdig sep, so hat er an ihrer körperlichen und geistigen Ausbildung nichts gespart.Sie hat schön schreiben und zierlich reden gelernt; die arabische Sprache und ihreRegeln, die Erklärung des Korans, die Heilkunde, die Grundlehren des Glaubens sindihr bekannt; dazu spielt sie mancherlei Instrumente, singt und tanzt und macht Verse.Kurz, man hat noch von keiner Sklavin gehört, die so viel verstanden hätte, wie sie."Der Vezier, welcher den Werth der schönen Perserin viel besser erkannte, als derMakler, der nur nachsprach, was ihm der Kaufmann vorgesagt hatte, war sogleichentschlossen, den Handel in's Reine zu bringen, und ließ den Kaufmann rufen.
Da kam ein ausländisch gekleideter Mann, der schon manches Jährlein hintersich hatte; die Zeit schien ihn hart mitgenommen, und sein Glücksstern ihm nichtviel übrig gelassen zu haben; er glich einem alten Adler oder einer dem Einsturznahen Mauer, und auf ihn paßten die Worte eines Dichters, der von sich selberspricht: