sechste N a ch t.
L wer hundert
Schehersad erzählte weiter: Kein Makler verkaufte eine Sklavin, ohne sie vorherdem Vezier vorznstellen. Es verging kein Tag, ohne daß ihm neue vorgestellt wurden;aber immer hatte er etwas an denselben auszusetzen. Einst, als er gerade auf demWeg zum Palaste war, begegnete ihm ein Makler, der zu ihiy trat, den Steigbügelerfaßte und ihn anredete: „Großer Vezier, der du des Königs Befehle verbreitest, derdu lange leben und immer siegreich bleiben mögest! Ohne dich wäre das Reich längstzersplittert." Dann fuhr er fort: „Großer Vezier! Was wir längst für dich gesucht,hat sich nun gefunden. Ein persischer Kaufmann hat eine Sklavin gebracht, weiterhaben über Alles, was man bis jetzt von weiblicher Vollkommenheit gesehen. Bei dergrößten Schönheit besitzt sie auch alle Vorzüge eines gebildeten Geistes und ausgebreiteterKenntnisse." Der Vezier, erfreut über diese überraschende Nachricht, antwortete: „Bringesie zu mir, ich werde sogleich wieder zurückkommen," und setzte seinen Weg weiter.
Nachdem der Vezier nach Hause gekommen war, erschien der Makler mit einerSklavin an seiner Seite, von der man wirklich sagen konnte, sie sey an Körperschönheitein Bild weiblicher Vollkommenheit: sie war von angenehmer Größe, schlankem Wüchse,feingeformtem Busen, glühendschwarzen Augen, ovaler Gesichtsform, der feinsten Taille,schönem Mund und perlenweißen Zähnen, köstlichem Athcm und einer zarten klangvollenStimme. Ein Dichter sagt von ihr:
84