Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
658
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<A»irih»»dort und vierte Nacht.

Was ich dir hier erzählte," fuhr die Vertraute fort,hörte ich von andern meinerFreundinnen, die zugegen waren, während dies zwischen dem Chalifen und ScheinsUnnahar verging. Ich war gerade damals auf dem Wege zu dir, um dir den Vorfallmitzutheilen; was sich aber am Abend, nachdem ich von dir in den Palast zurückgekehrt war,zutrug, habe ich mit eigenen Augen gesehen. Nach meiner Rückkehr begab ich mich sogleichzu ihr in das eben erwähnte Zimmer, um sie von der dir hinterbrachtcn Botschaft zubenachrichtigen. Sie sagte hierauf zu mir, ohne daß es Jemand ihrer Umgebung hörenkonnte:Ich danke dir sehr für den mir erwiesenen Liebesdienst; ich hoffe, daß es derletzte gewesen seyn wird." Als der Tag zu Ende war, trat der Chalif, begleitet vonden Frauen Scheins Unnah ars, die verschiedene Instrumente spielten, zu ihr herein,ergriff Scheins Unnahar bei der Hand, führte sie auf einen Divan und setzte sichneben sie, um den übrigen Frauen zu zeigen, wie hoch sie noch in seiner Gunst steheund welchen Platz sie in seinem Herzen einnehme. Sie schien ruhig und ließ sich Allesgefallen, ja sie suchte sich sogar ihrem hohen Gönner angenehm und gefällig zu bezeigen.Niemand wußte aber besser, was sie in diesem Augenblicke litt und welche Gewalt siesich anthat, als ich. Ohne Antheil an der Gegenwart zu nehmen, war ihr sonst solebhafter Geist, der mit einem Male alle Elasticität verloren zu haben schien, abwesend.Der Chalif suchte durch bezaubernde Musik ihre verlorene Munterkeit wieder hcrvorzurufen.Als aber eine Sängerin folgende Verse sang:

Die Liebe hat Thränen in mir hcrvorgcrufcn; sie fließe» nun reichlich übermeine Wangen herunter.

Meine Augenwimper ermüden und können nicht tragen, was darin ist; sieoffenbaren, was ich verheimlichen möchte, und verbergen, was ich offenbare.

Wie kann ich meine Liebe zu verbergen wünschen, da meine mächtige Peinum deinetwillen Alles entdeckt!

Nach der Trennung meines Geliebten wäre mein Tod eine Wohlthat.

Nur möchte ich wissen, ob es ihm nach mir wohl wird "

konnte sie die mühsam errungene Fassung nicht länger behaupten: die lang verhaltenenThränen stürzten hervor und sie sank bewußtlos nieder. Der Chalif warf die Schaleaus der Hand und beschäftigte sich um sie. Aber alle Bemühungen, sie wieder in's Lebenzu rufen, waren vergebens; sie war todt. Der Chalif befahl, alle Instrumente, denener ihren Tod zuschricb, zu zerbrechen, und ließ dann ihren Leichnam in sein Gemachtragen, wo er die ganze Nacht bei demselben durchwachte. Des Morgens ließ er ihnwaschen, in ein Leichengewand hüllen und ertheilte Befehl, ihn in einem prächtigen