Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
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630 Kundert und sirbenundneunzigste Nacht.

guten Eindruck auf sie gemacht zu haben, und erzählte ihnen umständlich die ganzeLiebesgeschichte Ali's und Scherns Unnahars von Anfang bis zu Ende, bis zuihrer Zusammenkunft in seinem Hause.

Voll Erstaunen über die merkwürdigen Umstände riefen die Räuber, als derJuwelier geendigt hatte:Ist es möglich, daß der junge Mann Ali, Sohn Bekars,und die junge Frau die berühmte Scheins Unnahar ist?" Der Juwelier betheuerte,ihnen nichts verborgen zu haben, hinzusügend, daß sie sich jetzt nicht mehr wundernwerden, warum sich diese vornehmen Leute geweigert haben, sich zu erkennen zu geben.Als dies die Räuber hörten, erschracken sie sehr und gingen zu Ali und Scheinsj Unnahar, warfen sich zu ihren Füßen und flehten um Verzeihung, sich entschuldigend,

^ daß nichts von dem Vorgefallenen geschehen seyn würde, wenn sic von ihrem Standeunterrichtet gewesen wären.

Alsdann kamen sie wieder zum Juwelier und sagten zu ihm:Vieles von dem, wasin deinem Hause geraubt worden, ist noch da, Einiges aber fehlt, was uns sehr leid thut;begnüge dich mit dem Silberzeug, das wir dir sogleich wiedergeben werden." DerJuwelier pries sich überglücklich über die ihm widerfahrene Gnade. Hierauf baten die^ Räuber Ali und Scheins Unnahar, hervorzulreten, und sagten zu ihnen, nachdem siedem Juwelier alles Gold und Silbergeräthe wieder zurückgegeben hatten:Es ist unserePflicht, Jedes wieder an seinen Ort zu bringen; ihr müßt euch aber zuvor durch einenSchwur verpflichten, uns gegen Niemand zu verrathen." .Ali und Scheins Unnaharerwiderten hierauf, daß sie sich auf ihr Wort verlassen könnten; da sie es aber verlangten,so wollten sie ihnen noch unverbrüchliches Stillschweigen geloben. Die Räuber, hierdurchzufrieden gestellt, begleiteten sie, und so verließen Alle das Haus. Ali und ScheinsUnnahar vermochten sich kaum aufrecht zu erhalten; knur die Freude, wieder befreitzu seyn, gab ihnen Kraft dazu.

Unterwegs vermißte der Juwelier die Vertraute und die beiden Sklavinnen; ernahte sich daher Scheins Unnahar und erkundigte sich voll Unruhe, was aus ihnengeworden sey.Ich weiß nichts von ihnen," antwortete sie.Ich weiß gar nichts,als daß man uns aus Eurem Hause wegführte, worauf wir an den Fluß kamen, überden man uns setzte und uns in das Haus brachte, wo wir jetzt Herkommen." Die Räubergeleiteten alle Drei bis an das Ufer des Flusses, ließen sie einen Nachen besteigen undruderten mit ihnen nach dem entgegengesetzten Ufer.

Als Ali, Scheins Unnahar und der Juwelier an das Land stiegen, horte manGeräusch von der Wache zu Pferd, die gerade in dem Augenblick ankam, als der Nachen