Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
613
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Hundert und zuicruudncunzrgste Macht, 613

Dieser Brief entlockte dem Juwelier Thränen; auch die Sklavin mußte mit ihmweinen. Sie sagte dann:Geh' nicht aus dem Hause zu Ali, bis ich morgen wiederkehre;ich habe ihn im Verdacht gehabt, doch er ist unschuldig; auch er hat mich, ohne daß ich'sverdiente, in Verdacht gehabt. Ich will ihm nun den Argwohn aus dem Herzen reißenund Alles anwenden, um Beide zu vereinen. Ich verließ meine Herrin unruhig und mitUngeduld Nachricht erwartend von dem, der ihr Geheimniß weiß." Die Sklavinverließ den Juwelier; am folgenden Morgen aber kam sie sehr freudig wieder zu ihm.Er fragte sie, was sie habe? Sie antwortete:Ich war bei meiner Gebieterin, habe ihrseinen Brief gegeben; als sie in Nachdenken versunken und ängstlich ward, sagte ichihr: Furchte nichts und sey nicht traurig, denke auch nicht, daß Hassans Abwesenheiteurer Sache schade, denn schon haben wir Jemand gefunden, der ihn ersetzt. Ich erzählteihr dann deine Unterhaltung mit Ali, und wie du zu ihm gekommen; dann von demBriefe, den ich verloren, und von deinen Versicherungen, das Geheimniß bewahren zuwollen. Sie wunderte sich darüber und sagte: Ich möchte diesen Mann selbst sprechenund mit ihm bekannt werden, damit ich mich ein wenig ausheitre, und durch seine Gütemich in meinem Vorsatze noch mehr befestige. Komm' also mit Gottes Segen und seinerschönen Genehmigung!" Als der Juwelier dies hörte, dachte er, dies sey eine ernste

Sache, mit der man nichts zu thun haben sollte. Er sagte daher der Sklavin:

Ich gehöre zum Mittelstände und kann nicht, wie Hassan, durch meine GeschäfteEingang in die Wohnung des Chalifen finden; er hat mich einmal angeredet, und ichzittre noch, wenn ich daran denke. Wünscht also deine Herrin mich zu sprechen, sogeschehe dies nicht im Hause des Fürsten der Gläubigen. Mein Herz sagt mir, ich solldir nicht gehorchen." Als er sich weigerte, mit ihr zu gehen, sprach sie ihm Muth ein,und verbürgte ihm, daß er unbeschädigt davon kommen und daß Alles verborgen bleibenwerde. So oft er ihr aber nachgeben wollte, versagten ihm seine Füße und fingen seineHände an zu zittern. Endlich sagte sie:Mache dir's bequem, sie wird zu dir kommen;weiche nicht von hier!" Sie lief schnell fort, kam bald wieder zurück und sagte:

Nimm dich wohl in Acht, daß Niemand im Hause sey, der uns verrathe." Der

Juwelier versicherte, daß Niemand hier sey und wie er alle mögliche Vorsicht anwendenwerde. Die Sklavin ging wieder, kehrte alsbald mit einem andern Mädchen zurück,dem zwei Sklavinnen folgten. Das Mädchen, das mit ihr kam, war so schön, daßdas ganze Haus von ihrer Erscheinung widerstrahlte. Der Juwelier reichte dieser dannein Kiffen, auf das sie sich niederließ; und als sie ein wenig geruht hatte, entschleiertesie ihr Gesicht, das wie die Sonne oder wie der Mond strahlte; doch zeugten ihre