Kundert und neunzigste Nacht. 607
^ i L k!«i -
schwöre ich dir hier bei Gott/ daß ich dich nicht verrathen und dir nie einen guten Rathvorenthalten werde." Der Juwelier erzählte ihm darauf was er wußte, und sagte ihm,daß er nur zu seinem Besten zu ihm gekommen, aus Liebe zu ihm und aus Besorgnißfür sein Wohl; er versicherte ihn wiederholt, daß er Leben und Vermögen für ihnaufzuopfern bereit wäre, und daß er nach der Abreise Hassans ihm Gesellschaft leistenwollte, auch sein Geheimniß treu bewahren und sein Herz erleichtern werde. Er sagte ihmnoch weiter: „Sey nur guten Muths und fröhlich!" Ali dankte dem Juwelier undsagte: „Ich weiß nicht, was ich dir sagen soll; ich lasse dich mit Gott und deinerMännlichkeit." Er sprach dann folgende Verse:
„Wenn ich auch sagen wollte, daß ich nach seiner Trennung mich noch zufassen wüßte, so würden meine Thränen und meine ungeheure Magerkeit michLügen strafen. O ich möchte nur wissen, ob meine Thränen gleich Regengüssenfließen, wegen der Entfernung des Freundes oder der Geliebten? Immerfließen meine Thränen wegen der Trennung des Freundes und der Geliebten!"
Er schwieg hierauf eine Weile, dann sagte er: „Weißt du, was die Sklavin
gesagt?" Der Juwelier verneinte. Da sagte Ali: „Sie glaubt, ich habe Hassanveranlaßt wegzureisen, und sey mit ihm darüber einverstanden; in dieser Meinungging sie fort, denn sie wollte mich nicht anhören und nicht an meine Unwissenheit glauben.