ö9-t Hundert und viernndachtzigste Vncht.
Herrin, nachdem er sie bei sich willkommen geheißen und ihr erzählt hatte, wie
es ihm und seinem Freunde bis jetzt gegangen. Die Sklavin hörte ihn mit
Erstaunen an und sagte: „Meine Herrin befindet sich in dem schrecklichsten Zustande.Sobald ihr weggegangcn wäret, und ich noch an eurer Rettung zweifelte, kehrteich wieder in die Kuppel zurück, wo ich meine Herrin auf dem Boden liegend fand,ohne daß sie Jemand erkannte, noch auf das hörte, was man zu ihr sprach. DerFürst der Gläubigen saß ihr zur Seite, doch konnte Niemand Nachricht von dem
geben, was sie so peinigte; und so wußte er nicht, was er daraus machen sollte. Sie
blieb bis Mitternacht in diesem Zustande. Die Diener umgaben sie von allen Seiten;die Einen freuten sich, die Andern weinten über sie. Endlich erwachte sie und standauf. Raschid fragte sie, was ihr fehle; als sie seine Stimme vernahm, küßte sie seineFüße und sagte: O Fürst der Gläubigen! Gott nehme mein Leben für das deinigehin! Mir ist auf einmal unwohl geworden, und mir war, als brenne ein Feuer inmeinem Körper, ich fiel vor Schmerzen in Ohnmacht und wußte nicht mehr, wo ichwar. Der Chalif fragte sie dann: Was hast du den Tag über gethan? Sie erzählteihm gerade das Gegentheil von dem, was sie gethan, stellte sich wieder stark, forderteWein und trank ihn; dann bat sie den Fürsten der Gläubigen, daß die unterbrochenenLustbarkeiten wieder beginnen sollten. Als er wieder seinen Platz eingenommen und ihrbefohlen hatte, sich in der Kuppel niederzulassen, ging ich zu ihr hinein; sie fragte michnach euch, und ich erzählte ihr, was aus euch geworden, und wiederholte ihr die VerseAli's; sie weinte, und eine Sklavin mit Namen Ljhazuluschak (Blick der Liebe)sang folgende Verse:
„Bei meinem Leben! nach der Trcnnnng von euch ist das Leben mir nichtmehr sich. O wüßte ich doch, wie ihr nach mir leben werdet! Es ziemt mirwohl nach eurem Verluste Blut z» weinen, wenn ihr meinetwillen Thränengeweint."
„Sie verfiel dann wieder in ihren frühern Zustand; vergebens rüttelte ich sie hinund her."