Sech su ii -sechzigste Macht. 257
mir heftig mit dem Schweife ins Gesicht, so daß mein Auge auf meine Wange ausliesund ich halbblind ward. Ich sagte: Es gibt keinen Schutz und keine Macht, außer beimerhabnen Gott! So hatte ich nicht geruht, bis ich wie die übrigen jungen Leute gewor-den. Als ich vom Dache herunter ins Schloß stieg, fand ich die zehn blau überzogeneSofa; und sieh da, es war das Schloß der zehn halbblinden Jünglinge, deren Rath ichnicht befolgt. Ich hatte mich kaum auf einem dieser Sofas niedergelassen, da kamenauch schon die Jünglinge mit dem Alten herbei.
Als sie mich sahen, sagten sie weder Willkomm noch Gruß dem Gaste, sondern
die Worte: „Bei Gott, wir beherbergen dich nicht mehr, denn auch du bist nicht der
Gefahr entronnen." Ich erwiderte ihnen: „Es geschah so, weil ich nicht ruhte, bis
ich euch nach der Ursache eurer beschmierten Gesichter gefragt hatte." Sie aber sagten:
„Es ging einem Jeden von uns wie dir; auch wir hatten das schönste und ange-nehmste Leben und konnten uns nicht vierzig Tage gedulden, um dann wieder ein Jahrzu essen, zu trinken und uns zu belustigen, auf seidenen Stoffen zu schlafen, den Weinaus krpstallncn Gefäßen zu schlürfen und an einem schönen Busen auszuruhen; wirbegnügten uns nicht in unserm Uebcrmuthe, bis unsre Augen ausgcschlagcn waren,und nun weinen wir über das, was vorüber ist." Ich sagte ihnen dann: „Nehmtmir nicht übel, da ich doch nun Euresgleichen bin, so reicht mir die rußigen Schüsseln,daß ich auch mein Gesicht schwärze," wobei ich heftig weinte. Sie sprachen aber: „BeiGott, wir beherbergen dich nicht, du kannst nicht bei uns bleiben, ziehe fort nach Bag-dad, dort findest du vielleicht Hilfe gegen dein Mißgeschick."
Nun ward mir sehr bang, als mich diese fortjagten, ich überdachte alles Unglück,das mir widerfahren, wie ich den jungen Mann getödtet und meinen sonstigenGram und Kummer und sagte: Es'ist wahr, es war mir wohl, da ließ mir mein Ueber-muth keine Ruhe. Nun ward ich so verzweifelt, daß ich meinen Bart nebst meinenAugenbraunen abschercn ließ, der Welt entsagte und als halbblinder Kalender ins LandGottes wallfahrtete. Gott ließ mich nun glücklich diesen Abend nach Bagdad gelangen,wo ich diese Beiden fand, die nicht wußten, wohin sie wollten, ich grüßte sie und sagteihnen, daß ich fremd wäre; sie sagten, auch sie wären Fremde; so trafen wir drei Halb-blinde am rechten Auge zu unserm größten Erstaunen zusammen. Dies, o meine Ge-bieterin! ist die Ursache, warum ich mein Auge verloren und meinen Bart abgcschorenhabe." Da sprach das Mädchen: „Dein Leben ist dir geschenkt, ziehe fort mit deinen
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