358 S e ch s u n d s e ch z i g st e Nacht.
Kameraden und dem Träger; aber Alle riefen: „Bei Gott! wir weichen nicht von hier,bis wir die Geschichte unsrer Gefährten hier vernommen." Das Mädchen wandte sichsetzt zum Chalifen, zu Djafar und Mesrur und sagte zu ihnen: „Erzählt mir eureGeschichte!" Da entgegnete Djafar: „Wir sind aus Mosul und kamen mit Maarenhierher; als wir in eurem Lande einkauften und verkauften, lud uns diese Nacht einereurer Kausleute zu einer Mahlzeit, zugleich aber auch von unsrer Gesellschaft Alle, diein demselben Wirthshause wohnten. Wir gingen zu ihm und brachten eine schöne Zeitbei ihm zu; der Wein war klar, der Saal hübsch, nicht minder die Sängerinnen. Manhatte von Verschiedenem gesprochen, da kam es zu einem lauten Wortwechsel zwischenden Gästen, der Polizeibeamte erschien, nahm Einige von uns fest, während Andre dieFlucht ergriffen. Zu Leztern gehörten auch wir; fanden aber das Haus geschlossen, daserst des Morgens wieder geöffnet wird. Nun waren wir in Verlegenheit und wußtennicht, wohin wir uns wenden sollten, auch fürchteten wir, von der Polizei eingeholtund festgenommen zu werden, was unserem Rufe hätte schaden können. Nun leiteteuns das Geschick zu euch; wir hörten schönen Gesang und fröhliches Gespräch, unddachten, daß hier ein großes Fest gehalten würde, wo viele Leute beisammen sind, undentschlossen uns, einzutreten, um euch unsre Dienste anzubieten und die Nacht bei euch ange-nehm zu vollenden. Ihr glaubtet uns, war't so gütig, uns einzulassen, und sepdsehr gefällig und achtungsvoll gegen uns. Jezt wißt ihr, warum wir hierher gekommen."Da riefen die Kalender: „Wir wünschten sehr, o Gebieterin! daß du uns diese dreiLeute schenktest, damit wir Alle gut von hier entlassen werden." Das Mädchen wandtesich sogleich zu der ganzen Gesellschaft und sprach: „Es sey so!" und Alle gingen nunfort aus dem Hause.
Der Chalif fragte dann die Kalender, wo sie hin wollten, da doch die Mor-genröthe noch nicht angebrochen sey. Jene antworteten: „Bei Gott, wir wissen esnicht." Da antworteten die Andern: „Kommt, schlaft bei uns!" Der Chalifsagte dann heimlich zu Djafar: „Diese Leute werden bei dir übernachten, morgenaber bringe sie zu mir, damit wir eines Jeden Geschichte und Abenteuer aufzeichnen."Djafar befolgte den Befehl des Chalifen. Dieser ging in sein Schloß, konnte abervor vielem Nachdenken über die Geschichte der Kalender nicht schlafen, die Königssöhncwaren und sich nun in einem solchen Zustande befanden. Auch war er sehr mit derGeschichte der Frau mit den schwarzen Hündinnen, so wie der Andern, mit der Peitschegeschlagenen, beschäftigt. Er konnte nicht schlafen und den Morgen kaum erwarten, wo