796
Viertes Kapitel. Die begrenzten dinglichen Rechte.
Fall des Verkaufes eines Grundstückes an einen Nichtnachbarnzustand 60 . Bisweilen war es nur in beschränkter Weise an-erkannt 61 . Aus dem geltenden Recht ist es verschwunden.
In der ehemaligen Zusammengehörigkeit von Grundstücken,die durch Spaltung eines früher einheitlichen Grundstückes ent-standen sind, wurzelt das Gespil de recht (Teillösung, retractusex jure congrui) 62 . Dieses Näherrecht, das als Nachwirkungeinstiger Unteilbarkeit erscheint, erlangte schon im Mittelaltereine grofse Verbreitung 68 und blieb in vielen späteren Gesetzenanerkannt 64 . Es stand ohne Rücksicht auf die Länge der seitder Teilung verflossenen Zeit den Teilgenossen oder „Geteilen“ fürden Fall des Verkaufes eines der Grundstücke an einen Drittenzu 65 . Bisweilen galt es als „Zinslosung“ oder „Fronlosung“ nurunter den Eigentümern solcher Teilstücke, die noch durch Ein-
60 Grimm, AV. III 724 § 14, V 145 §32; Ostfries. L.R. II c. 250; Hadel.L.R. II t. 11; Budjad. L.R. Art. 24—26; Kehding. L.R. t. 21 § 1; BillwärderL.R. Art. 66; Hohenloh. L.R. III, 5 § 13 (soweit hergebracht); Ilohenzoll. L.O.t. 77; Schauenburg. Pol.0. c. 27; Hess. V. v. 1797 § 31 b Stammler S. 79 ff.;Mecklenb. Stadtr. in Z. f. R.G. IX 115 u. 118 ff.; Grefe II 412 ff.; Preufs. L.R.von 1721 IV t. 7 Art. 4 § 2—5 u. dazu A.L.R. I, 20 § 650; Balt. Stadtr. li.Erdmann II 562; Schweiz. Recht b. Huber IV 723 Anm. 21; NeubauerS. 138 VII u. IX, 139 XA r 3, 142, 144 XXV. — Über den Vorrang eines untermehreren Nachbarn oben § 152 S. 782 Anm. 75 und über das Rangverhältnisgegenüber anderen Näherrechten ebenda Anm. 76.
61 So nach Bayreuth. Landeskonst. VI § 6 nur, wenn Irrungen drohen.In manchen Städten als „Dachlosung“ nur bei Gebäuden unter Einem Dach;AValdeck. G. f. Arolsen v. 30. Mai 1572 b. Brumhard S. 160; Ansbach.Feuer-O. v. 1760 b. Arnold, Beitr. II 126; Bad. L.R. Art. 1701 ab. NachPreufs. A.L.R. I, 20 § 651—656 nur an Enklaven.
62 Walch S. 81 ff., 480 ff. u. die S. 496 angef. älteren Schriften; BeselerS. 398; Stobbe-Lehmann § 120 IV; Steinhäuser S. 126 ff.
68 Ländl. Weist, b. Gierke a. a. 0. II 204 Anm. 30, Heusler II 62Anm. 6, Kraut, Grundr. § 130 Nr. 11—12, u. die b. Grimm, W. VII 328
s. v. „Näherrecht des geteilen“ nachgewiesenen Stellen. Stadt. Urk. bei Arnold,Eigent. S. 414, Pauli, Abh. I 142 Anm. 232.
64 Württ. L.R. II, 16, vgl. AVächter I 532 ff.; Tiroler L.O. V, 8; Hohen-loh. L.R. III, 5 § 9 u. 14; Bad. L.O. VI t. 3 § 2; AVeimar. L.O. v. 1556 t.32—33 u. 1589 t. 37—38, vgl. Sachse § 344; Gotha. L.O. II c. 2 t. 3, Kob.
t. 73, Altenb. II c. 2 t. 14, Anhalt, t. 17; Sclnvarzb.-Sondersh. V. v. 23. Dez.1721 b. Kraut § 130 Nr. 13; Bayreuth. Landeskonst. III § 3, VI § 6; Stat.v. Langensalza v. 1556 b. Walch, Beitr. A'II 278 (Kraut § 135 Nr. 5); Stat.von Offenburg ib. III 137 Art. 24; Schweiz. R. b. Huber IV 723 Anm. 23.
65 Über den A r orrang des Geteilen, der den gröfsten Teil hat, und überdas Rangverhältnis zu anderen Näherrechten oben § 152 S. 781 ff. Anm. 75—76.