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Viertes Kapitel. Die begrenzten dinglichen Rechte.
italienische Jurisprudenz des Mittelalters eine Theorie der vonihr unter dem Namen des „jus retractus“ zusammengefafstenNäherrechte ausgebildet, die mit der Aufnahme der fremden Rechtenach Deutschland verpflanzt und hier zur Rechtfertigung undKonstruktion der einheimischen Näherrechte benutzt wurde 9 .Gemeinrechtliche Geltung konnte freilich, trotz mancher dazu ge-machter Ansätze, kein Näherrecht aufser dem Lehnsretrakt er-ringen. Allein die Partikularrechte behandelten fast sämtlich dieNäherrechte mit besonderer Vorliebe, vermehrten vielfach ihre Zahlund sicherten durch eingehende Bestimmungen ihre dinglicheWirksamkeit 10 .
Doch drang vereinzelt schon früh eine den Näherrechtenfeindliche Strömung durch * 11 . Seit dem achtzehnten Jahr-hundert begann man, die Näherrechte als lästige Fesseln des freienVerkehrs grundsätzlich zu bekämpfen und gesetzlich zu be-schränken 12 . Im neunzehnten Jahrhundert wurden die meisten
Fortbildung in Unteritalien v. Brünneck, Siziliens mittelalterliche Stadt-rechte, Syst. T. S. 105 ff. Über die Const. Frider. II de jure protimiseos, dievielleicht Privatarbeit ist, v. Brünneck a. a. 0. S. 107 Anni. 1—2, auch Z. f.
R. G. XIV 124 ff. — Die Konstitution (M.G.L. II 332) wurde von Cujacius indie libri feudorum aufgenommen (V F. 13), ist aber nicht glossiert und inDeutschland nicht mitrezipiert; Walch S. 29, Renaud S. 245.
9 Besonders wichtig wurden die Ausführungen von Andreas Gaill, Obs.pract. II obs. 19; er bemerkt, dafs „jus retractus, der Einstandt, ex generaliquadam consuetudine Germaniae ubique fere locorum obtinet“, und recht-fertigt diese Gewohnheit unter Berufung auf die communis opinio doctorum;neben den Italienern benutzt er namentlich Tiraqueau, dessen Schrift deutroque retractu municipali et conventionali zuerst in Lyon 1571 erschien, undverschiedene Kommentare zu französischen Coutumes. Von Späteren vgl.z. B. Schilter, Exerc. 30 § 136 sq.; Struvius, Exerc. 23 1. 18 t. 3 § 47 sq.;
S. Stryck, Usus mod. 18, 1 8 16 sq.; Voet, Comm. 18, 3 8 9 sq.; Levser,Med. ad Pand. III spec. 193-195.
10 Übersicht partikularrechtlicher Bestimmungen b. Walch § 18—33 u.Gengier, Lehrb. S. 377—378, dazu Stobbe-Lehmann § 119 Anm. 1.Schweiz. Stat. seit dem 16. Jahrh. b. Huber IV 719 ff.
11 Frankf. Bef. II t. 4 § 1 (wegen des Verbots in den KaiserlichenRechten); Stat. v. Langensalza v. 1556 Art. 12 b. Walch VII 277; Walch,Näherr. S. 47, Renaud S. 248 ff., Stobbe-Lehmann § 118 Anm. 30.
12 Schleswig-Holstein. Ges. seit 1773, vgl. Falck V 169 ff.; bes. V. v. 1794b. Renaud S. 249. Österr. Ges. v. 1781—1787; vgl. Stobbe § 118 Anm. 32.Gotha. V. v. 1781; Walch S. 48 Anm. 5, Brückner § 840. Weimar. V. v.1799; Heimbach § 217. — Auf dem linken Rheinufer beseitigte die franzö-sische Gesetzgebung v. J. 1793 die Näherrechte.