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2 (1905) Sachenrecht
Entstehung
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Viertes Kapitel. Die begrenzten dinglichen Rechte.

II. Zehnten 24 . Zehnten (decimae) sind Reallasten, die zurwiederkehrenden Abgabe eines Bruchteils der auf dem Grundstückegewonnenen Erzeugnisse bestimmter Art verpflichten. Regelmäfsiggehen sie auf den zehnten, mitunter aber auch auf einen anderen(elften, zwanzigsten, sechzigsten) Teil.

1. Entsteh un g. Abgaben dieser Art kamen bei denrömischen Ivolonen vor und nahmen in den germanischen Grund-herrschaften die Natur von Reallasten an 26 . Mit hingegebenemKönigsgut oder sonstigem Grundbesitz erwarb auch die Kirche grund-herrliche Zehntberechtigungen 26 . Die Kirche aber beanspruchtefrühzeitig unter Berufung auf die Rechte der jüdischen Levitenallgemein von den Gläubigen die Abgabe des zehnten Teils derEinkünfte 27 und suchte insbesondere die Belastung aller Grund-stücke mit einer kirchenrechtlichen Zehntpflicht durchzusetzen 28 .Fränkische Reichsgesetze erkannten den kirchlichen Anspruch anund führten namentlich in Sachsen den Zehnten als Kirchensteuerein 29 . Das kanonische Recht behandelt den Zehnten durchaus als

24 Birnbaum, Die rechtliche Natur der Zehnten, Bonn 1831. Sicherer,Der Zehnt nach gern. u. bayr. R., Neuburg 1845. Schnell, Das Zelmtrechtnach Schweiz. Rechtsqu., Z. f. Schweiz. R. III 50 ff. Ch. Meurer a. a. 0. (obenAnm. 1) S. 3ff. Duncker, Reall. S. 223 ff. Friedlieb S. 264 ff.Richter, Kirchenr. § 309310 u. 315. Friedberg, Iiirchenr. § 174.Mittermaier, D.P.R. § 181188. Maurenbrecher § 334337. Bluntschli§95. Gerber-Cosack § 169. Beseler§98b. Gengier, Lehrb. S.315ff,Grundz. § 84. Roth § 288 V. S t o b be-Le hm an n § 143. Hagemann,Landwirtschaftsr. § 257 ff Koch, lreufs. P.R. I § 357358; Dernburg,Preufs. P.R. I § 309, B.R. III § 204. Grefe II 334 ff Haubold § 486.Heimbach § 367-368. Steinacker S. 525 ff. Huber III 427ff, IV 777 ff

26 J. H. Boehmer, De origine et ratione decimarum in Germania, 1749.Mit starken Übertreibungen Birnbaum a. a. 0. S. 46 ff., 112 ff. Dazu Waitz,V.G. IV 120 ff., VIII 347 ff Ch. M eure r S. 17 ff - Vgl. L. Wisig. VIII, 5,1 u. 2,X, 1, 19; L. Bajuv. I, 13, 3.

26 Waitz II 587; E. Löning, Gesch. des Kirchenrechts II 680 Anm. 1.

27 E. Löning a. a. 0. S. 676 ff. Meurer S. 4 ff. Concil. Turon. IId. a. 567 und unter Androhung des Bannes für Nichtentrichtung Concil.Matiscon. II d. a. 583 can. 5 (b. Kraut § 116 Nr. 4 u. 5).

28 Über die Begründung aus dem Obereigentum Gottes oben § 148 S. 701Anm. 4. Daneben hielt zwar die Kirche den Anspruch auf den Zehnt vonPersonaleinkünften stets fest (c. 66 C. 16 q. 1, c. 23, 26, 28 X 3, 30), hatte aberdamit in Deutschland keinen bleibenden Erfolg.

29 Cap. d. a. 779 c. 7; Cap. de villis c. 6; Cap. de partibus Saxon. c. 17.Vgl. Waitz IV 120ff.; E. Pereis, Die kirchlichen Zehnten im karolingischenReiche, Berlin 1904. Über den von Pipin den aus Kirchengut ausgestattetenBenefiziaten auferlegten doppelten Zehnt (decimae et nonae) Waitz IV 193ff.,